Ratten haben nach wie vor noch mit Vorurteilen zu kämpfen, wobei sie sich durchaus zu beliebten Haustieren entwickelt haben. Entgegen ihres schlechten Rufs sind sie sehr reinlich, klug und lieb, und je nach Charakter schmusen sie sehr gern. Wenn du dich für eine süße Ratten-Rasselbande als neue Familienmitglieder interessierst, schau dir als ersten Überblick unsere acht Haltungstipps für Ratten an. Denn rundum artgerechte Lebensumstände tragen wesentlich zu einem langen und glücklichen Leben dieser schlauen Nager bei.

Steckbrief

Ratten gehören zu den Nagetieren und sind Verwandte der Mäuse. Ihre Herkunft ist der Ural, von wo aus sie sich über Handelsschiffe auch in unsere Regionen verbreitet haben. Als echte Heimtiere haben sie sich erst vor rund 40-50 Jahren etablieren können. Ratten leben von Natur aus in Gruppen zusammen und werden maximal 3 Jahre alt.

Tipp 1: Das Gehege

Ratten klettern gern, weswegen dein Gehege auch nach oben entsprechend Platz bieten sollte. Für eine Kleingruppe mit vier Ratten plane mindestens 100 cm breit, 60 cm breit und 180 cm hoch. Ab 80 cm musst du Zwischenböden einsetzen, damit die Tiere nicht tief fallen können. Am besten eignen sich Volieren mit Gitterstäben, in denen die Luft gut zirkulieren kann. Der beste Standort ist bei 19-21 Grad Celsius im Wohn- oder Arbeitszimmer, wobei Fernseher oder Musikanlage nicht zu laut sein dürfen. Ratten vertragen keinerlei Zigarettenrauch. Außenhaltung ist nicht geeignet.

Tipp 2: Einrichtung des Geheges

Streue den Boden des Geheges mit staubfreier Einstreu ein. Als Nistmaterial eignen sich unparfümierte Taschentücher, Tageszeitungen oder ungebleichtes Toilettenpapier. Außerdem mögen sie gutes Bio-Heu zum Knabbern und Spielen. Herkömmliches Heu ist oft schimmelig. Biete deinen Ratten eine Sandkiste zum Buddeln an, wobei Chinchillasand aus Quarzsand am besten geeignet ist. Als Beschäftigung mögen Ratten Pappröhren, Holztreppen, Hängematten und Labyrinthe. Die bekannten YTONG-Steine kannst du leicht selbst bearbeiten und Höhlen oder Stufen hineinsägen. Laufräder sind für Ratten eher ungeeignet, da sie kreative Beschäftigung zusammen mit ihren Artgenossen vorziehen. Interessante und abwechslungsreiche Einrichtung ist sehr wichtig. Verzichte in jedem Fall auf tierschutzwidriges Zubehör.

Tipp 3: Reinigung des Geheges

Reinige das Gehege einmal pro Woche gründlich: Tausche die Einstreu aus und wische alle Einrichtungsgegenstände feucht ab. Statt giftigen Reinigungsmitteln kannst du entweder einfach warmes Wasser nehmen oder diesem Natron zusetzen. Säubere auch die Futternäpfe (die ausreichend groß und schwer, z.B. aus Keramik, sein sollten) und die Wassertränke. Nimm deine Ratten während dieser Zeit aus dem Gehege. Frischfutterreste solltest du täglich entfernen und darauf achten, dass deine Tiere diese nicht einlagern.

Tipp 3: Der Auslauf

Deine Ratten benötigen täglich rund 2 Stunden Auslauf. Sichere den Auslauf ab, damit kein Tier entkommen oder sich irgendwo verletzen kann. Schütze sie auch vor anderen Haustieren, Stromkabeln, Fußtritten, offenen Fenstern und Türen und giftigen Pflanzen. Gestalte den Auslauf abwechslungsreich mit Kletter- und Buddelmöglichkeiten und einem Häuschen. Am besten ist, wenn der Auslauf direkt über das Gehege betreten werden kann. Gewähre deinen Ratten erst Auslauf, wenn sie zahm sind und sich leicht hochnehmen lassen. Alles andere würde sie nur stressen.

Tipp 4: Die Ernährung

Hauptbestandteil der Ernährung für deine Ratten ist hochwertiges Trockenfutter. Ein Esslöffel pro Tag und Tier gilt als Richtwert. Am besten ist eine Mischung aus Getreide mit kleinem Weizenanteil, Kräutern, getrocknetem Gemüse, Nüssen und Saaten. Zucker, Melasse oder Zuckerrübensirup darf nicht enthalten sein, weswegen auch viele handelsübliche Leckerlis und Snacks ungeeignet sind. Du kannst das Trockenfutter im Gehege auch verteilen, damit deine Tiere es sich zusammensuchen müssen – eine gute Beschäftigung. Zudem benötigen Ratten einmal täglich Frischfutter in Form von frischem Gemüse. Gib ihnen nur kleine Mengen, damit sie nichts davon bunkern, sondern möglichst sofort verzehren. Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Kohlsorten sind nicht geeignet. Hin und wieder kannst du auch etwas frisches Obst geben. Als besondere Leckerei kannst du ihnen frisches Gras oder Kräuter mitsamt Wurzeln und Erde anbieten. Achte darauf, dass alles ungespritzt ist und nicht von Hunde-Gassi-Wegen stammt. Da Ratten keine Vegetarier sind, kannst du sie ab und zu mit Lebendfutter, z.B. Mehlwürmern oder Heimchen, glücklich machen. An frischen Zweigen können sie ihre Zähne pflegen und nagen.

Tipp 5: Sozialverhalten

Ratten sind sehr soziale Tiere und dürfen daher nur in Gruppen gehalten werden. Sie kommunizieren untereinander mittels Körper- und Lautsprache. Sie pflegen gegenseitig ihr Fell, rangeln, toben und spielen zusammen und klären die Rangordnung untereinander. Hierbei geben sie mitunter kreischende Laute von sich, klappen mit den Zähnen oder pfeifen und fiepen. Jede Ratte braucht in ihrem Rudel einen gleichgeschlechtlichen Partner, so dass Vierergruppen sich zur Haltung sehr gut eignen. Ab der 4. Lebenswoche sind Ratten geschlechtsreif, so dass du bei gemischter Haltung die Böcke unbedingt kastrieren lassen musst. Dies muss nicht sein, falls du nur Böckchen hältst. In Rudeln gibt es klare Rangordnungen, so dass du neue Tiere nicht einfach in eine bestehende Gruppe hinein setzen darfst. Lasse dich hierzu unbedingt fachmännisch beraten, wie du die Tiere am besten aneinander gewöhnst.

Tipp 6: Ratte und Mensch

Jede Ratte hat, wie alle Tiere, ihren individuellen Charakter, der darüber bestimmt, ob und wie viel Nähe die Ratte zu ihrem Menschen sucht. Dennoch: Je mehr du dich mit deinen Tieren beschäftigst, desto zahmer werden sie. Mittels Körpersprache bringen sie gut zum Ausdruck, was sie möchten; sei es, dass sie vor der Hand zurückweichen, neugierig Männchen machen, ihre Nackenhaare sträuben oder Luftsprünge machen – beobachte deine Ratten aufmerksam und respektiere, wenn sie gerade nicht zur Kontaktaufnahme aufgelegt sind. Gewöhne sie nach und nach an deine Hand, reiche Leckerlis und versuche vorsichtig, sie zu berühren, damit sie lernen, dass deine Hand nur Gutes bedeutet. So wirst du viel Freude mit deinen Tieren haben.

Tipp 7: Gesundheitscheck

Prüfe täglich den Gesundheitszustand deiner Ratten. Achte darauf, ob sie ihr Futter nehmen, neugierig und aktiv sind und sich normal verhalten und bewegen. Einmal pro Woche solltest du deine Nager genauer unter die Lupe nehmen: Prüfe Ohren, Augen, Krallen und die Schneidezähne. Streiche durch das Fell, taste den Körper auf Verdickungen o.ä. ab und setze sie auf die Waage. Bei kleinsten Anzeichen von Veränderungen zögere nicht, deinen Tierarzt aufzusuchen, denn bei solch kleinen Tieren ist schnelle medizinische Hilfe oft überlebenswichtig.

Tipp 8: Vor der Anschaffung

Es ist selbstredend, dass die Anschaffung eines Haustieres gut überlegt sein muss. Dies gilt natürlich auch für Nager. Wie jedes Tier brauchen auch Ratten Zeit, Zuwendung und Pflege und verursachen laufende Kosten. Ratten sind außerdem keine Kuscheltiere für Kinder, sondern vielmehr ideale und anspruchsvolle Tiere für verantwortungsbewusste Teenager oder Erwachsene. Informiere dich vor der Anschaffung der Tiere ausführlich über ihre optimalen Haltungsbedingungen. Kaufe grundsätzlich keine Ratten (oder andere Tiere) in Zooläden, sondern frage zunächst in Tierheimen nach, ob dort süße Nager ein neues Zuhause suchen.

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