Wer selbst in seiner Ernährung auf Fertigprodukte und denaturierte Lebensmittel verzichtet, möchte dies womöglich auch gern seinem Hund anbieten. Diese Ernährungsmethode für den Hund wird BARF genannt. Die Abkürzung BARF steht für „Biologisch artgerechtes rohes Futter“ und bedeutet, dass der Hundehalter bei der Zusammenstellung der Mahlzeiten für seinen Hund komplett auf industriell hergestelltes Fertigtrocken- und nassfutter verzichtet.

Ein erster Überblick: Barfen für Anfänger

Als kompletter Anfänger ist es nicht leicht, den Einstieg ins Thema Barfen überhaupt zu finden. Barfen für den Hund ist ein sehr komplexes, beratungsintensives und umfassendes Ernährungsthema und erfordert einiges an Recherchearbeit. Es gibt dazu unzählige Webseiten, Online-Portale, Bücher, TV-Beiträge etc. mit jeder Menge Infos.

Hier erhältst du zur Orientierung einen ersten Überblick über Barfen für den Hund.

Warum überhaupt Barfen?

Hundehalter und Tierärzte stellen vermehrt fest, dass Hunde in zunehmendem Maße Krankheiten, Stoffwechselstörungen und Futtermittelallergien entwickeln, die es in früheren Jahren nicht gab. Hunde, die früher auf dem Bauernhof in erster Linie von Essens- und Fleischresten gelebt haben, waren gesünder und lebten länger als Hunde in heutiger Zeit. Der Verdacht liegt nahe, dass es mit der heutigen Fütterung von vermehrt industriell hergestelltem Fertigfutter zusammenhängt. Viele Fertigfuttersorten enthalten fragwürdige Bestandteile und Zusatzstoffe wie Schlachtabfälle, chemische Substanzen, Geschmacksverstärker, künstliche Vitamine, Zucker, Getreide usw. Barfen entspricht der ursprünglichen und natürlichen Art, wie sich der Hund seit jeher ernährt. Und beim Barfen weiß der Hundehalter genau, was in den Napf kommt, da er alle Zutaten selbst zusammenstellt.

Welche Vorteile hat Barfen für den Hund?

Im Gegensatz zur Fütterung von konventionellem Hundefutter hat Barfen einige Vorteile für die Gesundheit des Hundes:

  • Beim Barfen werden ausschließlich frische Produkte wie Fleisch, Gemüse und Obst verwendet. Alle in Fertigprodukten enthaltenen Zusatzstoffe entfallen komplett.
  • Die Portionen und einzelne Bestandteile lassen sich individuell nach Vorliebe und Verträglichkeit für den Hund anpassen.
  • Barf-Mahlzeiten lassen sich abwechslungsreich herstellen, was dem Hund einfach besser schmeckt und mit mehr Genuss gefressen wird.
  • Nach einiger Zeit lassen sich die Mahlzeiten immer leichter aufgrund eigener Erfahrung zusammenstellen, ohne immer das kleinste Gramm abzuwiegen und sich damit zu stressen. Ein Barf-Rechner kann dir dabei helfen.
  • Zwar ist beim Barfen auf die ausgewogene Zusammenstellung von Nährstoffen zu achten; hierbei muss allerdings erwähnt werden, dass herkömmliches Fertigfutter keineswegs immer nur aus hochwertigen, natürlichen und gesunden Nährstoffen besteht.
  • Der gesamte Hund – auch das Fell – riecht besser, da der Körper Abfallstoffe wie Chemikalien, Geschmacksverstärker etc. weder einlagern noch verarbeiten und ausscheiden muss.
  • Blähungen, Zahnstein und Mundgeruch verschwinden.
  • Die Kotmenge stinkt kaum noch und wird weniger. Kotabsatz dreimal pro Tag ist zu viel, was sich beim Barfen verringert, da so gut wie alle Stoffe vom Körper aufgenommen und verwertet werden.

Welche Nachteile hat Barfen für den Hund?

Neben aller Vorzüge, die die Ernährungsform Barf bietet, gibt es folgende Nachteile zu bedenken:

  • Barfen ist zeitaufwendiger als einfach eine Dose mit Hundefutter zu öffnen. Als Halter musst du die Zutaten einzeln einkaufen, schnippeln und geplant zusammenstellen.
  • Es bedarf einiges an Wissen und Erfahrung, um alle Zutaten so zu kombinieren, dass der tägliche Nährstoffbedarf des Hundes gedeckt ist und es nicht zu Unter- oder Übergewicht des Hundes kommt.
  • Du musst dir umfangreiches Wissen in Futtermittelkunde aneignen, um Fehlernährung (http://www.tierklinik-ismaning.de/barfen/) zu vermeiden. Sprich mit deinem Tierarzt, der den Ernährungsplan prüft bzw. aufstellt.
  • Du solltest regelmäßig Blut und Urin deines Hundes untersuchen lassen, um eventuelle Über- oder Unterversorgung an Nährstoffen aufzudecken.
  • Da viel mit rohem Fleisch hantiert wird, ist stets auf Frische und Hygiene zu achten, um Infektionen durch Krankheitserreger sowohl beim Hund als auch beim Halter zu vermeiden.
  • Je nachdem, welche Futtersorten vorher gekauft wurden (die Billigen aus dem Discounter oder hochwertige und -preisige Fertigfutter) ist Barfen teurer als das Füttern handelsüblicher Futtersorten.

Was genau wird beim Barfen gefüttert?

Barfen bedeutet nicht, dem Hund täglich nur ein paar rohe Fleischstückchen zu geben. Beim Barfen sollte eine Mahlzeit aus ca. 20% pflanzlichen und ca. 80% fleischlichen Bestandteilen bestehen. Beim Barfen für den Hund geht es darum, all diese Zutaten gekonnt und lecker zusammenzustellen.

Fleisch beinhaltet Innereien, Muskelfleisch, Knochen, Blut und Knorpel z.B. von Rind, Kalb, Lamm, Geflügel oder Pferd. Auch Fisch steht auf dem Speiseplan. Jede rohe Fleisch- bzw. Fischart liefert viele wertvolle Proteine, Vitamine, Mineralien, Fette und Wasser. Viele Fleischsorten sind fettarm und besonders für Allergiker gut geeignet.

Bei der Gabe von Gemüse und hin und wieder Obst sind von den Arten her fast keine Grenzen gesetzt. Auch pflanzliche oder tierische Öle und Fette kommen auf den Speiseplan.

Was ist Fertigbarf?

Barfen in seiner ursprünglichen Idee, nämlich alle Zutaten für die Mahlzeit seines Hundes selbst zusammenzustellen, ist wesentlich aufwendiger als das Dosenöffnen. Wenn du dich bereits mit Barfen für den Hund beschäftigt hast, wirst du bemerkt haben, dass viele Futtermittelhersteller bereits Fertigbarf-Mahlzeiten anbieten. Dies kann für den Einstieg durchaus eine lohnenswerte Möglichkeit sein. Viele dieser Fertigbarf-Menüs können individuell für den Hund kombiniert und erworben werden, je nach Alter, Rasse, eventueller Allergien usw. Allerdings musst du genau darauf achten, wie sich die Menüs zusammensetzen und ob sie dem Anspruch des Barfens, d.h. der Verwendung ausschließlich natürlicher Inhaltsstoffe, und somit der Gesundheit des Hundes gerecht werden.

Wie kannst du von Fertigfutter auf Barf umstellen?

Ist der Hund seit Jahren im Großen und Ganzen herkömmliches Dosenfutter gewöhnt, stelle seinen Ernährungsplan schrittweise um. Mische das Gewohnte mit kleinen Barf-Portionen und steigere die Menge Schritt für Schritt, damit sich Organismus und Darm langsam umstellen können. Anfängliche kleine Unverträglichkeiten wie Blähungen oder leichter Durchfall können vorkommen und sollten bald verschwinden.

Können auch Welpen gebarft werden?

Ja. Bei Welpen sind Größe und Rasse entscheidend für die Menge und Zusammensetzung der Mahlzeiten. Als Richtwert für Welpen gilt eine Futtermenge von 5-8% des Körpergewichtes. Beim ausgewachsenen Hund beträgt die Futtermenge rund 3% des Körpergewichtes. Aufgrund des schnellen Wachstums deines Welpen musst du die Futtermenge daher immer wieder neu anpassen. Der Fleischanteil für Welpen sollte bei mindestens 80% pro Mahlzeit liegen.

Fazit

Ernährung ist ein anspruchsvolles Thema, trägt sie doch wesentlich zur Gesunderhaltung bei. Auch wir Menschen werden zunehmend empfindlicher und anspruchsvoller durch Krankheiten, Allergien und Unverträglichkeiten, so dass es die perfekte Ernährung, die zu jedem passt, einfach nicht gibt. Jeder muss sich individuell für seine eigene Ernährungsform wie auch die seines Hundes entscheiden. Lasse dich in jedem Fall ausführlich beraten, studiere Informationsmaterial und tausche dich mit anderen Hundehaltern aus.

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