Wer selbst in seiner Ernährung auf Fertigprodukte und denaturierte Lebensmittel verzichtet, möchte dies womöglich auch gern seiner Katze anbieten. Diese Ernährungsmethode für die Katze wird BARF genannt, was „Biologisch artgerechtes rohes Futter“ bedeutet. Beim Barfen für die Katze wirst du praktisch vom Dosenöffner zum Koch: Bei der Zusammenstellung der Mahlzeiten für die Mieze wird komplett auf industriell hergestelltes Fertigtrocken- und nassfutter verzichtet, und alle Bestandteile werden beim Barfen für die Katze individuell selbst zusammengestellt.

Ein erster Überblick: Barfen für Anfänger

Als kompletter Anfänger ist es nicht leicht, den Einstieg ins Thema Barfen überhaupt zu finden. Barfen für die Katze ist ein komplexes Ernährungsthema und erfordert einiges an Recherchearbeit. Es gibt dazu unzählige Webseiten, Bücher, etc. mit jeder Menge Infos.

Hier erhältst du zur Orientierung einen ersten Überblick über Barfen für die Katze.

Warum überhaupt Barfen?

Katzenhalter und Tierärzte stellen vermehrt fest, dass Katzen in zunehmendem Maße Krankheiten und vor allem Futtermittelallergien entwickeln. Der Verdacht liegt nahe, dass es mit der Fütterung von hauptsächlich industriell hergestelltem Fertigfutter zusammenhängt. Viele Fertigfuttersorten enthalten fragwürdige Bestandteile und Zusatzstoffe wie Schlachtabfälle, chemische Substanzen, Geschmacksverstärker, künstliche Vitamine, Zucker, Getreide usw. Barfen entspricht der ursprünglichen Art, wie sich der Fleischfresser Katze seit jeher ernährt. Und beim Barfen weiß der Katzenhalter genau, was in den Napf kommt, da er alle Zutaten selbst zusammenstellt.

Welche Vorteile hat Barfen für die Katze?

Im Gegensatz zur Fütterung von konventionellem Katzenfutter hat Barfen einige Vorteile, vor allem für die Gesundheit der Katze:

  • Beim Barfen werden ausschließlich frische Produkte verwendet. Alle in Fertigprodukten enthaltenen Zusatzstoffe entfallen komplett.
  • Die Portionen und einzelne Bestandteile lassen sich individuell nach Vorliebe und Verträglichkeit für die Katze anpassen.
  • Barf-Mahlzeiten lassen sich abwechslungsreich herstellen, was der Katze einfach besser schmeckt und mit mehr Genuss gefressen wird.
  • Nach einiger Zeit lassen sich die Mahlzeiten immer leichter aufgrund eigener Erfahrung zubereiten, ohne immer das kleinste Gramm abzuwiegen und sich damit zu stressen. Ein Barf-Rechner kann dir dabei helfen.
  • Zwar ist beim Barfen auf die ausgewogene Zusammenstellung von Nährstoffen zu achten; hierbei muss allerdings erwähnt werden, dass herkömmliches Fertigfutter keineswegs immer nur aus hochwertigen, natürlichen und gesunden Nährstoffen besteht.
  • Stoffwechsel-, Nieren-, und andere Erkrankungen nehmen ab bzw. verschwinden.
  • Blähungen, Zahnstein und Mundgeruch verschwinden.
  • Futtermittelallergien verschwinden.
  • Die Kotmenge stinkt kaum noch und wird weniger, was die Kosten für Katzenstreu senkt und weniger Arbeit macht.
  • Weniger Verpackungsmüll durch Futterdosen ist zudem gut für die Umwelt.

Welche Nachteile hat Barfen für die Katze?

Neben aller Vorzüge, die die Ernährungsform Barf bietet, gibt es folgende Nachteile zu bedenken:

  • Barfen ist zeitaufwendiger als einfach eine Dose zu öffnen. Als Halter musst du die Zutaten einzeln einkaufen, schnippeln und geplant zusammenstellen.
  • Es bedarf einiges an Wissen und Erfahrung, um alle Zutaten so zu kombinieren, dass der tägliche Nährstoffbedarf der Katze gedeckt ist und es nicht zu Unter- oder Übergewicht bzw. Über-/Unterversorgung mit Vitaminen usw. der Katze kommt.
  • Du musst dir umfangreiches Wissen in Futtermittelkunde aneignen, um Fehlernährung zu vermeiden. Sprich ggf. mit deinem Tierarzt, der den Ernährungsplan prüft bzw. aufstellt.
  • Du solltest regelmäßig Blut und Urin deiner Katze untersuchen lassen, um eventuelle Über- oder Unterversorgung an Nährstoffen aufzudecken.
  • Da viel mit rohem Fleisch hantiert wird, ist stets auf Frische und Hygiene zu achten, um Infektionen durch Krankheitserreger sowohl bei der Katze als auch bei dir selbst zu vermeiden.
  • Je nachdem, welche Fertigfuttersorten vorher gekauft wurden (die Billigen aus dem Discounter oder hochwertige und teurere Sorten), ist Barfen teurer als das Füttern handelsüblicher Futtersorten.
  • Du musst ggf. deinen Ekel überwinden, rohes Fleisch, Innereien, Blut etc. zu verarbeiten.

Was genau wird beim Barfen gefüttert?

Barfen bedeutet nicht, deiner Katze täglich nur ein paar rohe Fleischstückchen zu geben. Beim Barfen sollte eine Mahlzeit aus rund 95% fleischlichen Bestandteilen bestehen. Der Rest wird mit Supplementen gefüllt, die die Versorgung mit Mineralien und Vitaminen sicherstellen. Diese Supplemente sind z.B. Bierhefe, Eierschalen- oder Fleischknochenmehl und Taurin. Rohproteine und auch Vitamine müssen ebenfalls zugesetzt werden.

Fleisch beinhaltet in erster Line Innereien und Muskelfleisch z.B. von Rind, Kalb, Lamm, Geflügel oder Pferd. Auch Fisch steht auf dem Speiseplan. Jede rohe Fleisch- bzw. Fischart liefert viele wertvolle Proteine, Vitamine, Mineralien, Fette und Wasser. Einzig Schweinefleisch solltest du auf keinen Fall verfüttern.

Auch pflanzliche oder tierische Öle und Fette kommen auf den Speiseplan. Wichtig ist die Gabe von Taurin: Taurin kommt in erster Linie im Blut von natürlichen Beutetieren wie Mäusen vor. Beim Barfen kann der Taurinbedarf beispielsweise gut über das Füttern von Hühnerherzen gedeckt werden. Eine Überversorgung mit Taurin ist, im Gegensatz zur Unterversorgung, nicht bedenklich. Du kannst beim Tierarzt prüfen lassen, ob deine Katze ausreichend mit Taurin versorgt ist.

Beim Barfen für die Katze geht es darum, all diese Zutaten gekonnt und lecker zusammenzustellen.

Was ist Fertig-Barf?

Barfen in seiner ursprünglichen Idee, nämlich alle Zutaten für die Mahlzeit der Katze selbst zusammenzustellen, ist wesentlich aufwendiger als das Dosenöffnen. Wenn du dich bereits mit Barfen für die Katze beschäftigt hast, wirst du bemerkt haben, dass viele Futtermittelhersteller bereits fertige Barf-Mahlzeiten anbieten. Dies kann für den Einstieg durchaus eine lohnenswerte Möglichkeit sein. Viele dieser Barf-Menüs können individuell für die Katze kombiniert und erworben werden, je nach Alter, Rasse, eventueller Allergien usw. Allerdings musst du genau darauf achten, wie sich die Menüs zusammensetzen und ob sie dem Anspruch des Barfens, d.h. der Verwendung ausschließlich natürlicher Inhaltsstoffe und somit der Gesundheit deiner Katze, gerecht werden. Fertig-Barf-Menüs sollten mindestens 80% Fleisch enthalten und als Alleinfuttermittel deklariert sein.

Wie kannst du von Fertigfutter auf Barf umstellen?

Die Katze geht von Natur aus vorsichtig an neues Futter heran. Kennt sie Frischfleisch gar nicht und verweigert es rigoros, wird die Umstellung schwerer. Hier ist vor allem Geduld gefragt. In diesem Falle kannst du z.B. mit Geflügelfleisch beginnen, was am ehesten angenommen wird. Ist es deine Katze gewöhnt, dass du für sie täglich Dosen öffnest, stelle ihren Ernährungsplan schrittweise um. Beginne mit kleinen Frischfleischportionen, am besten zweimal täglich, aber gib sie separat zum gewohnten Dosenfutter. Gemischt kann dies zu Verdauungsbeschwerden führen. Nach und nach lässt du die Dosen weg und barfst komplett.

Fazit

Ernährung ist ein anspruchsvolles Thema, trägt sie doch wesentlich zur Gesunderhaltung bei. Auch wir Menschen werden zunehmend empfindlicher und anspruchsvoller durch Krankheiten, Allergien und Unverträglichkeiten, so dass es die perfekte Ernährung, die zu jedem passt, einfach nicht gibt. Jeder muss sich individuell für seine eigene Ernährungsform wie auch die seiner Mieze entscheiden. Lasse dich in jedem Fall ausführlich beraten, studiere Informationsmaterial und tausche dich mit anderen Katzenhaltern aus.

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