Erste Hilfe rettet Leben, bei Mensch und Tier. Als Katzenhalter ist es ist wichtig, in Notsituationen richtig reagieren und lebenserhaltende Maßnahmen anwenden zu können. Denn ein Unfall kann jederzeit passieren, sei es durch äußere Einwirkung, Unwissenheit oder Unbewusstheit. Zwar muss nicht jeder Unfall lebensbedrohlich sein, aber vieles erfordert korrekte Maßnahmen in Erster Hilfe bei der Katze. Nachfolgend findest du eine Auflistung von A-Z der am häufigsten vorkommenden Notfälle und wie du selbst Erste Hilfe bei der Katze leisten kannst.

Epileptische Anfälle 

Katzen zeigen epileptische Anfälle durch Verhaltensänderungen an. Sie sind desorientiert, miauen, ziehen sich zurück oder reagieren aggressiv. Während des Anfalls ist die Katze bewusstlos und zuckt mit den Extremitäten. Aus dem Mund tritt Speichel aus.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Schütze deine Katze mit einer Decke vor Verletzungen. Fasse sie nicht an. Die Katze könnte zubeißen oder kratzen. Hält der Anfall länger an, muss die Katze von einem Tierarzt untersucht werden. Bemerkst du den Anfall vor Beginn der Krämpfe, bring die Katze in einem ruhigen Raum und sichere sie in einem Käfig, damit sie sich nicht verletzen kann. Katzen mit Epilepsie gehören grundsätzlich in tierärztliche Behandlung.

Erstickungsanfall 

Katzen sind bei ihrem Futter sehr wählerisch. Da sie nicht gierig schlingen wie Hunde, ist es weniger das Futter, was ihnen im Hals stecken bleiben kann, sondern vielmehr andere Fremdkörper wie Teile von Spielsachen o.ä. Verfärbt sich die Mundschleimhaut bläulich, erhält die Katze zu wenig Sauerstoff.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Öffne den Mund der Katze. Ist der Fremdkörper sichtbar, ziehe ihn vorsichtig heraus. Kannst du keine Ursache erkennen, bring die Katze sofort zu einem Tierarzt. Lebensgefahr!

Insektenstiche und Allergien 

Wird deine Katze von einem Insekt gestochen, können an der Stichstelle schmerzhafte Schwellungen und Juckreiz auftreten. Reagiert die Katze auf das Insektengift allergisch, ist die gesamte Haut von rötlichen Pusteln bedeckt. Gelangt das Insekt mit dem Futter oder Wasser in die Mundhöhle der Katze, verursachen Schwellungen im Rachenraum Atemnot und Schluckbeschwerden.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kühle die Einstichstelle mit Wasser und Eiswürfeln. Zum schnelleren Abklingen der Schwellungen kannst du Kalzium in flüssiger Form (Trinkampullen) geben. Liegt die Stichstelle im Rachenraum, musst du die Katze sofort zu einem Tierarzt bringen. Durch Injektionen mit Kortison wird ein weiteres Zuschwellen der Atemwege verhindert. 

Innere Verletzungen 

Stöße und Quetschungen können innere Verletzungen verursachen. Liegt eine Verletzung der Lunge vor, tritt Luft aus den Atemwegen in den Brustkorb aus. Die Katze atmet angestrengt. Bei Verletzungen im Bereich des Bauchraums werden meistens Niere, Leber, Milz oder Darm geschädigt.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Die Katze sollte sofort von einem Tierarzt untersucht werden. Mit Ultraschall kann beurteilt werden, ob innere Blutungen auftreten oder Nierenquetschungen vorliegen. Diese können zu einer eingeschränkten Funktion der Niere und fehlendem Harnabsatz führen. 

Knochenbrüche 

Ist deine Katze durch einen Sturz aus großer Höhe oder bei einem Autounfall verletzt worden, können Knochen gebrochen sein. Die Brüche können in offener oder geschlossener Form vorliegen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Bei einem offenen Bruch (der Knochen hat die Haut durchbohrt und ist sichtbar) decke die Verletzung ab. Die Katze muss sofort zu einem Tierarzt gebracht werden, da meistens auch andere Verletzungen vorliegen. 

Prellungen, Verstauchungen 

Durch wildes Spielen, aber auch durch unglückliche Stürze oder Einklemmen (z.B. in der Tür), können leichte Verletzungen der Muskulatur entstehen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Behandele die geschwollene Stelle mit Umschlägen. Warme Umschläge fördern die Durchblutung, kalte Umschläge lindern den Schmerz. 

Schnittwunden und andere äußere Verletzungen 

Je tiefer eine Verletzung ist, umso schneller sollte sie von einem Tierarzt untersucht werden.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Ist die Verletzung eine oberflächliche Abschürfung, kannst du sie reinigen und mit Desinfektionsspray behandeln. Bei blutenden, tieferen Wunden sollte zuerst eine Blutstillung erfolgen. Spritzt hellrotes Blut aus der Wunde, ist eine Arterie verletzt. Lege einen festen Druckverband an. Rinnt dunkelrotes Blut langsam aus der Verletzung, kann diese mit einer blutstillenden Wundauflage bedeckt werden. Bisswunden sollten nicht mit Wasser gespült werden, damit keine Keime in die Tiefe gelangen können. Am besten verwendest du Desinfektionsspray, deckst die Bissverletzung mit einem Verband ab und bringst deine Katze zu einem Tierarzt. 

Schock 

Bei Verletzungen tritt ein Schockzustand ein. Deine Katze ist bewusstlos, der Kreislauf bricht zusammen. Lebensgefahr! Denn hält der Schockzustand unbehandelt länger an, kann der Tod durch Kreislaufversagen eintreten. Das Tier ist bewusstlos, die Atmung flach. Der Puls ist stark beschleunigt. Die Körpertemperatur sinkt, die Schleimhäute sind blass.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Lagere deine Katze in Seitenlage und vergewissere dich, dass sie atmet und das Herz schlägt. Befreie die Atemwege von Erbrochenem und strecke den Kopf leicht nach hinten. Atmet die Katze nicht, müssen Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden. Wärme die Katze mit einer Decke und bring sie sofort zu einem Tierarzt. 

Verätzungen

Katzen reagieren empfindlich auf chemische Substanzen. Werden reizende Stoffe, z.B. Putzmittel, aufgeschleckt, reagiert die Mundschleimhaut mit Entzündungen. Gerötete Stellen sind auf Zunge und Schleimhaut sichtbar.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wasche die betroffene Stelle mit Wasser ab. Hat deine Katze die ätzende Flüssigkeit getrunken, solltest du ihr Wasser einflößen. Bring deine Katze sofort zu einem Tierarzt. Katzen reagieren sehr empfindlich auf chemische Substanzen, ohne Behandlung kann eine Schädigung der Leber die Folge sein. Gib deiner Katze keine Milch zu trinken, denn Milch beschleunigt die Aufnahme chemischer Stoffe und fördert Organschäden. 

Verbrennungen 

Offene Flammen üben auf Katzen eine magische Anziehungskraft aus. Im besten Fall werden durch Kerzenflammen die Haare angesengt, oft ist auch die Haut betroffen. Verbrennungen können auch durch Kontakt mit heißen Herdplatten oder Heizspiralen entstehen.

Abhängig von der Stärke der Schädigung der Haut werden verschiedene Grade unterschieden. Bei Grad 1 ist die Haut gerötet und geschwollen. Bei Grad 2 sind Blasen erkennbar. Verbrennungen vom Grad 3 weisen eine starke Schädigung der oberen Hautanteile auf.

Ist die Verbrennung durch einen Brand in der Wohnung verursacht worden, kann eine Rauchgasvergiftung vorliegen. In diesem Fall solltest du die Katze so schnell wie möglich an die frische Luft bringen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kühle die Verbrennungen mit fließendem Wasser. Trage keine Salben auf die Wunde auf, denn diese können mehr schaden als nutzen. Decke die verbrannte Haut mit einem feuchten Verband ab und bring deine Katze zu einem Tierarzt. Schwere Verbrennungen können immer einen Schockzustand verursachen. 

Vergiftungen 

Schädliche Gifte sind überall vorhanden: Pflanzen, Nahrungsmittel, Medikamente, und Kräuter können bei Katzen Stoffwechselstörungen auslösen. Abhängig von der Art und Menge des aufgenommenen Giftes reagiert deine Katze mit Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Bewegungsstörungen, Krampfanfällen und Verhaltensveränderungen. Die ständige Aufnahme geringer Giftmengen kann zu einer Schädigung der Nierenfunktion bis hin zum Tode führen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Liegt der Verdacht auf eine Vergiftung vor, ist immer eine schnelle Behandlung durch einen Tierarzt notwendig. Hat deine Katze erbrochen, kannst du das Erbrochene für eine raschere Identifizierung des Giftes mitnehmen. Ist die Ursache bekannt, erhältst du bei der Vergiftungszentrale Informationen über die Inhaltsstoffe und nötige Gegenmaßnahmen. Leidet deine Katze an Krampfanfällen oder Bewegungsstörungen, sichere sie mit einer Decke vor Verletzungen. 

Wiederbelebung

Ist deine Katze bewusstlos, können Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich sein. Sprich die Katze zuerst an und beobachte, ob sie reagiert. Leuchte mit einer Lampe in die Augen, um eine Reaktion der Pupillen auf Licht festzustellen. Überprüfe, ob sich der Brustkorb mit der Atmung hebt und senkt. Lege deine Hand auf die linke Seite des Brustkorbs und überprüfe den Herzschlag. Versuche den Puls an der Innenseite des Oberschenkels zu fühlen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kannst du keinen Herzschlag und keine Atmung erkennen (und nur dann), beginne mit der Wiederbelebung nach der ABC-Regel. 
A = Atemwege: Öffne den Mund der Katze und reinige die Mundhöhle von Erbrochenem. Strecke den Kopf und ziehe die Zunge heraus. 
B = Beatmung: Schließe den Mund des Tieres und blase alle drei Sekunden Luft in die Nasenlöcher der Katze. Achte auf die Hebungen des Brustkorbs. 
C = Blutkreislauf: Lege die Katze auf die rechte Seite. Lege die linke Hand flach auf den Brustkorb hinter dem Vorderbein und drücke 5 – 10mal schnell auf die linke Hand. Bei sehr kleinen Katzen kann die Herzmassage auch mit den Fingern erfolgen. Umschließe das Brustbein der Katze mit der Hand und drücke die Finger 5 – 10mal zusammen. 
Beatme die Katze fünf Mal und führe erneut eine Herzmassage durch. 
Sobald sich die Lebensfunktionen stabilisiert haben, bringe sie sofort zu einem Tierarzt. 

Transport zum Tierarzt 

Atmet die Katze selbstständig und ist bei Bewusstsein, transportiere sie mit einer Decke in einem Transportkorb. Hebe die Katze mit einem Griff vorne am Brustkorb bei gleichzeitiger Unterstützung der Hinterbeine an.

Eine bewusstlose Katze solltest du nur in einer Decke transportieren, um während der Fahrt Atmung und Herzschlag überprüfen zu können. 
Ist die Wirbelsäule verletzt, muss die Katze auf eine feste Unterlage gelegt werden.

Rufe immer vorher bei dem Tierarzt an und kündige den Notfall an. Der Transport sollte möglichst immer mit einer Begleitperson erfolgen. 

Notfallapotheke 

In einer Notfallapotheke kannst du die wichtigsten Materialien für den Ernstfall bereithalten: Blutstillende Wundauflagen, Verbandwatte, Tupfer, Mullbinden, elastische Binden und Klebeband sind für die Erstversorgung von Wunden nötig. Ein Desinfektionsspray und Ringerlösung für Spülungen sollten zudem enthalten sein. Wichtig sind auch Verbandschere, Thermometer, Pinzette und Einmalspritzen. Eine Silberdecke wärmt die Katze im Notfall. Überprüfe den Inhalt der Notfallapotheke regelmäßig auf Ablaufdatum und Zustand der Materialien. 

Erste-Hilfe-Kurse 

Im Notfall ist es wichtig, dass du genau über den Ablauf der Erste-Hilfe-Maßnahmen Bescheid weißt. Viele Institutionen oder Tierärzte bieten Erste-Hilfe-Kurse für Tierhalter an, in denen das Verhalten im Notfall geübt wird (die meisten Notfallmaßnahmen für Katzen sind denen für Hunde sehr ähnlich). So kannst du richtig reagieren und das Leben deiner Katze retten.

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