Unfälle können im Zusammenleben mit dem Hund jederzeit passieren. Nicht immer müssen sie lebensbedrohlich sein, dennoch machen sie es erforderlich, Erste Hilfe beim Hund zu leisten. Für Hundehalter ist zu empfehlen, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Je besser du als Hundehalter informiert bist, desto sicherer kannst du deinem Hund helfen, bis der Tierarzt übernimmt. Nachfolgend werden einige akute Notfälle von A-Z beschrieben und wie du selbst Erste Hilfe beim Hund leisten kannst. Verletzte Hunde haben oft Panik: Achte stets darauf, dass du dich selbst vor Bissen des Hundes, z.B. mithilfe eines Maulkorbs, schützt. Nach jeder (!) geleisteten Erste Hilfe beim Hund sollte der Anruf beim Tierarzt folgen.

Durchfall 

Weich geformter bis flüssiger Stuhlgang kann durch eine Infektion (Viren oder Bakterien) oder durch Parasiten (Hakenwürmer) verursacht werden. Auch kann Durchfall toxischen Ursprungs (Vergiftungen) sein oder ernährungsbedingte Ursachen haben.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Achte in erster Linie darauf, dass dein Hund ausreichend trinkt. Stoppt der Durchfall nicht oder kommen weitere Symptome hinzu, stelle ihn dem Tierarzt vor. Dies gilt auch im Falle von Erbrechen und Magendrehung.

Elektrischer Schlag 

Es kann passieren, dass der Hund mit Strom in Berührung kommt, z.B. durch ungeschützte Kabel, Steckdosen oder Weidezäune.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Schalte wenn möglich den Strom ab und/oder stoße den Hund von der Stromquelle weg. Kontrolliere Atmung und Pulsschlag und führe bei Nichtvorhandensein eine Wiederbelebung durch.

Fremdkörper steckt fest

Es kann passieren, dass Fremdkörper im Maul stecken bleiben, z.B. Knochen, und Zunge, Kiefer oder Lefzen durchbohren.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wenn der Hund stillhält, entferne vorsichtig den Fremdkörper. Gehe nicht das Risiko ein, von einem panischen Hund selbst gebissen zu werden.

Fremdkörper verschluckt

Manchmal verschluckt der Hund bemerkt oder unbemerkt Fremdkörper wie Spielsachen, Knöpfe uvm.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wenn das Allgemeinbefinden des Hundes gestört ist, fahre sofort zum Tierarzt. Ansonsten beobachte den Stuhlgang, ob der Fremdkörper wieder herauskommt. 

Fremdkörper im Hals

Verschluckte Fremdkörper können im Hals stecken bleiben und die Atemwege blockieren. Der Hund versucht dann, diesen auszuwürgen. Der Fang steht offen, der Hund scheint unfähig, ihn zu schließen. Der Speichel fließt aus dem Fang. Der Hund versucht, mit den Vorderpfoten am Fang zu reiben.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Lebensgefahr! Schiebe einen Gegenstand zwischen die Zähne, um das Maul offen zu halten und den Fremdkörper zu entfernen. Eventuell halte den Hund an den Hinterläufen hoch und schüttele ihn vorsichtig. Im Falle von Atemstillstand beginne sofort mit der Wiederbelebung. Nur im absoluten Notfall kannst du den nicht ungefährlichen Heimlich-Griff anwenden.

Hitzschlag

Im Falle eines Hitzschlags keucht der Hund auffallend. Das Maul ist geöffnet, er hat Atemnot. Er ist nicht ansprechbar, unfähig zu stehen, macht unkontrollierte Bewegungen, ist ohne Bewusstsein. Lebensgefahr!

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Bringe den Hund zuerst an einen kühleren Ort. Stelle ihm handwarmes Wasser zum Trinken zur Verfügung. Lege und bedecke ihn mit einem feuchten Handtuch. Kühle die Pfoten mit Wasser, aber übergieße nie den ganzen Hund mit Wasser.

Knochenbrüche 

Man unterscheidet offene und geschlossene Knochenbrüche, d.h. solche, bei denen die äußere Haut verletzt ist, sodass eine direkte Verbindung zwischen Knochenbruchstelle und Außenwelt besteht, und solche, bei denen die Bruchenden in sie umgebendem Gewebe unter der Haut liegen. Anzeichen für einen Bruch sind Schwellung und heftiger Druckschmerz im Bereich der Fraktur, Gebrauchsunfähigkeit der gebrochenen Gliedmaße sowie ungewöhnliche Lage und abnorme Beweglichkeit.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Bewege den Hund und insbesondere das gebrochene Körperteil so wenig wie möglich. Am besten transportierst du ihn auf einer provisorischen Tragbahre (beispielsweise auf einem Brett) zum Tierarzt. Bei zeitlichen Verzögerungen oder längeren Transporten empfiehlt es sich, den Bruch provisorisch zu schienen. Bruchschienen kannst du aus kleinen, schmalen Holzbrettern oder aus Zweigen herstellen. Schütze die Wunde mit einem sauberen Wäschestück oder Verband und verwende ein Holzstück in der Länge des verletzten Glieds und befestige es mit Schnur oder Klebestreifen.

Künstliche Beatmung / Wiederbelebung 

Künstliche Beatmung kann, bevor tierärztliche Hilfe zur Stelle ist, das Leben eines Hundes retten und muss vorgenommen werden, wenn das Tier nicht mehr erkennbar atmet.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Der Hund liegt auf der rechten Seite. Entferne eventuelle Fremdkörper im Maul und das Halsband. Lasse die Zunge seitlich heraushängen. Lege beide Hände ganz flach zwischen die Schulterblätter und Rippen, drücke alle fünf Sekunden kräftig auf den Brustkorb und lasse abrupt wieder los. Fahre so lang fort, bis die Atmung wieder einsetzt. Eine zweite Möglichkeit ist die zusätzliche Mund-zu-Nase-Beatmung. Schließe fest das Maul des Hundes und blase einmal kräftig Luft in die Nasenlöcher. Wechsele dies mit der Druckmassage ab. Auf zehn Druckstöße folgt eine Beatmung. Prüfe dann, ob der Hund wieder atmet und fahre ggf. damit fort. Lasse eine zweite Person den Tierarzt anrufen.

Quetschungen 

Durch Schläge, Fallen oder Zusammenstöße z.B. mit Fahrzeugen kann es zu Quetschungen kommen. Es entsteht ein Bluterguss mit Anschwellung der Haut, wobei die Haut meist unverletzt ist.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Lege sofort eine nicht zu heiße Wärmflasche oder warme Kompressen auf. Die Wärme weitet die Blutgefäße und verteilt die Schwellung.

Schock 

Ein Schock entsteht in der Regel durch eine Körperverletzung, verbunden mit Blutverlust, Vergiftung, Infektion oder Austrocknung. Schockzustände treten häufig bei Unfällen auf. Anzeichen: Schwäche, Herumliegen, schneller und schwacher Puls, blasse Maulschleim- und Bindehaut, schneller und flacher Atem. Der Hund fühlt sich bei Berührung kalt an.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Lebensgefahr! Zunächst beruhige deinen Hund. Halte ihn warm (Decke, Wärmflasche, Wärmelampe) und lege ihn auf die rechte Seite, falls du Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen musst.

Vergiftungen 

Es gibt sehr viele Ursachen für Vergiftungen, z.B. Aufnahme von Rattengift oder für den Hund giftigen Lebensmitteln, Giftpflanzen, Medikamente uvm. Anzeichen sind Magenschmerzen, Speicheln, Würgen, Lethargie, taumelnder Gang, Zuckungen, Koma. Lebensgefahr!

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Entgegen landläufiger Meinung darf kein Erbrechen herbeigeführt werden. Vergiftungen gehören sofort in tierärztliche Hände. Wenn möglich, sichere das aufgenommene Gift und nimm es mit zum Tierarzt.

Wunden 

Wunden können schnell entstehen. Sie reichen von kleinen Abschürfungen der Haut, über Schnittwunden bis hin zu tiefen Fleisch- oder Bisswunden. Wunden sind oft mit Schmutz oder Fremdkörpern verunreinigt, sie bluten teilweise heftig, und sie sind für den Hund sehr schmerzhaft. Achte daher besonders auf deine eigene Sicherheit.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Leichte Wunden kannst du vorsichtig unter fließendem Wasser reinigen. Wenn nötig, entferne die Haare rund um die Wunde. Mit Jod oder Desinfektionsspray (nicht am Auge) kannst du die Wunde desinfizieren. Lasse Luft an die Wunde. Blutende Schnittwunden versorge mit einem Druckverband, bis die Blutung stoppt. Bei klaffenden Fleisch- oder Bisswunden, die oft gar nicht stark bluten, entferne vorsichtig Fremdkörper und desinfiziere sie. Schütze sie mit einem sterilen Verband, bis der Tierarzt sich die Wunde anschaut.

Zeckenbefall 

Zecken gehören zum Alltag des Hundebesitzers. In den Sommermonaten sind manche Hunde sehr stark befallen, so dass du Zecken selbst entfernen können solltest. Manche Zeckenarten können Krankheitserreger übertragen, weswegen du deinen Hund während der Saison täglich auf Zecken kontrollieren und diese sofort entfernen solltest.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Lege die betroffene Stelle frei, indem du das Fell um die Zecke herum zur Seite schiebst. Packe die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenzange und ziehe sie beherzt heraus. Du kannst dies auch mit den Fingern tun, falls du kein Instrument zur Hand hast. Drehe nicht an der Zecke – sie haben kein Gewinde – und beträufele sie nicht mit Öl o.ä. Die Zecke erbricht sich dabei und transportiert nur noch mehr Giftstoffe ins Blut.

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