Immer wieder werden vor allem Hunde Opfer ausgelegter Giftköder, die sie schwer verletzen oder sogar töten. Statistiken über die Häufigkeit gibt es nicht, die Dunkelziffer ist hoch. Was können Tierhalter tun, um ihren Hund zu schützen? Hundefreundin Susanne wird immer noch ganz blass, wenn sie an die Ereignisse des letzten Frühjahrs denkt. Denn ihre Mischlingshündin Lucy ist Opfer eines Giftköders geworden, den jemand gut im dichten Unterholz versteckt hatte.

Jeden Tag dreht die Hamburgerin auf einem der Elbdeiche ihre große Runde mit Lucy. „Lucy kann hier frei laufen, es ist wenig los, und die Hunde und Herrchen, die hier unterwegs sind, kennen sich untereinander“, berichtet Susanne. Sie hält Lucy, die auf Zuruf immer zurückkommt, dennoch stets im Auge. „Im dichten Gras kann ich leider nicht immer sehen, wo Lucy mit ihrer Nase steckt und ob sie etwas frisst“, sagt Susanne. Glücklicherweise fiel ihr an diesem Morgen auf, dass die kleine Hündin interessiert an etwas schnupperte und offensichtlich etwas auffraß.

Schon kurze Zeit später, nachdem sie wieder Zuhause waren, bemerkte Susanne erste Verhaltensänderungen bei der sonst so lebhaften achtjährigen Hündin. Sie wurde sehr müde, fast apathisch und erbrach sich mehrfach. Hinzu kam starkes Hecheln und Atemnot. Susanne rief geistesgegenwärtig sofort den Tierarzt an und fuhr mit Lucy unverzüglich zur Notfallsprechstunde.

Symptome bei Vergiftungen

Vergiftungen sind für Hunde lebensbedrohlich und ein absoluter Notfall. Je schneller das Tier behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass es überlebt und keine Folgeschäden zurück bleiben. Die Behandlungsform ist abhängig von der Art des Giftes oder mit was auch immer der Köder bespickt war. Die Erfahrung zeigt, dass der Fantasie der Hundefeinde hierbei keine Grenzen gesetzt sind: Nadeln, Rasierklingen, Nägel oder Schrauben wurden bereits in Ködern gefunden. Oft weiß der Hundehalter also nicht, was der Köder enthalten hat, was die Behandlung zusätzlich erschwert. Generelle Anzeichen einer Vergiftung sind Atemnot, Kreislaufprobleme, Erbrechen und Durchfall, Apathie, Unruhe, Fieber, vermehrte Speichelbildung und Krämpfe. Die Symptome können getrennt voneinander auftreten.

Giftköder: Gefahr im GebüschGiftköder gefressen – und nun?

Entpuppt sich etwas, was der Hund oder auch die Katze draußen aufgenommen hat, als Giftköder aufgrund entsprechender Verhaltensänderungen des Tieres, muss sofort gehandelt und der nächste Tierarzt oder eine Tierklinik aufgesucht werden. Wenn möglich, z.B. falls sich das Tier erbrochen hat, sollte der Köder mit in die Praxis genommen werden, damit der Tierarzt entsprechende Maßnahmen schnell ergreifen kann.

Aktive Vorbeugung

Jeder Hundehalter kann aktiv etwas dazu beitragen, das Risiko zu minimieren, dass der Hund einen Giftköder aufnimmt. Hunde können lernen, dass sie generell nichts fressen dürfen, was herum liegt. Es gibt spezielle Kurse hierfür, die von Hundeschulen oder -Trainern angeboten werden. Zudem sollte der Hund beim Spaziergang stets im Auge behalten werden. Häufen sich in einer bestimmten Gegend die Vorfälle, sollte der Hund besser an der Leine gehalten werden. Bei Katzen sind Schutzmaßnahmen weitaus schwieriger, da sie sich als einziges Haustier überhaupt allein im Freien bewegen dürfen und sich dadurch jeder Kontrolle entziehen.

Anzeige erstatten

Ein Giftköder-Anschlag verursacht nicht nur großes Leid bei Mensch und Tier, sondern ist zudem auch eine Straftat. Tiere werden im deutschen Strafrecht als Sachen behandelt. Wird ein Tier durch einen mit Gift oder anderen gefährlichen Gegenständen präparierten Köder verletzt oder sogar getötet, liegt ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, Paragraph 17, vor. Nach Paragraph 303 des Strafgesetzbuches gilt dies als Sachbeschädigung. Sie kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden.

Auch wenn die Täter meist nicht gefunden werden, sollte jeder Tierhalter Anzeige erstatten. Nur so kann die Polizei davon erfahren und ggf. einen Bezirk zeitweise besser beobachten, falls sich dort die Anzeigen häufen. Die Beweislast liegt beim Tierhalter: Kommt das Tier zu Schaden, muss er beweisen, dass es durch einen Giftköder verletzt oder getötet wurde. Gibt es einen Verdächtigen, muss er zudem beweisen, dass sein Hund genau diesen Giftköder aufgenommen hat. Ein relativ aussichtsloses Unterfangen.

Netzwerk

Viele Hundehalter haben inzwischen selbst die Initiative ergriffen und helfen sich gegenseitig. Es gibt viele hervorragende Möglichkeiten wie Webseiten und Apps, wo Tierhalter und Spaziergänger Giftköder melden können. Auch der Happy Pet Club leistet hierzu seinen Betrag durch die aktive Mithilfe seiner Mitglieder. In unserem Netzwerk kann jeder Tierhalter lokal seine #Warnmeldung posten und andere Hunde-und Katzenhalter vor ausgelegten Giftködern warnen. Dies funktioniert am besten, je mehr Tierfreunde sich engagieren. Mach mit!

Für einen Hundefreund wie Susanne ist eine Vergiftung des eigenen Tieres eine belastende Erfahrung. “Es war furchtbar. Lucy war so hilflos und hat wirklich gelitten, und vor allem war ungewiss, ob sie die Sache überstehen wird”, erinnert sich Susanne. Die hohen Kosten für die Behandlung waren für sie zweitrangig.

Lucy hat Glück gehabt. Dank Susannes sofortigem Handeln konnte der Tierarzt rechtzeitig handeln und Lucys Leben retten. „Ein paar Wochen musste sich Lucy noch erholen und bekam spezielle Kost, aber zum Glück ist sie wieder vollständig gesund“, berichtet Susanne erleichtert. Was bleibt, ist die Angst, die nun immer ein Stück weit beim täglichen Spaziergang dabei ist. Fremde und Passanten werden misstrauisch beäugt. Auch mit anderen Hundehaltern hat Susanne über den Vorfall gesprochen. “Es ist wichtig, mit Anderen in Kontakt zu sein, damit ihren Hunden ein ähnliches Schicksal wie Lucy erspart bleibt und potentielle Täter das Gefühl haben, dass sie beobachtet werden”.

Beteilige dich jetzt an unserer Themendiskussion: → Anmelden

Du bist noch kein Mitglied im Happy Pet Club? Informiere dich und tausche dich mit anderen zu allen Themen rund um unsere tierischen Lieblinge aus - kostenlos natürlich: → Registrieren

Über den Autor / die Autorin → HPC Redaktionsteam

Wir sind ein engagiertes Redaktionsteam aus festen und freien Mitarbeitern, denen das Wohl der Tiere sehr am Herzen liegt.
Gastautoren sind willkommen! Bei Interesse schreibe bitte an redaktion@happy-pet.club