In vielen europäischen Nachbarländern leben Tausende herrenlose Hunde auf den Straßen. Solche Hunde leben unter unwürdigen Bedingungen und sind krank und unterernährt. Viele Länder haben Initiativen, diese Hunde einzufangen, aufzupäppeln, zu kastrieren und an liebevolle Halter zu vermitteln. Auch hierzulande entscheiden sich Hundefreunde oft, Hunde aus dem Tierschutz aufzunehmen. Sie möchten ihnen eine bessere Zukunft und eine neue Chance im Leben bieten. Wer Hunde aus dem Tierschutz aufnehmen möchte, sollte jedoch einiges beachten.

Nichts für Anfänger

Hunde haben nicht überall den gleichen Stellenwert wie hierzulande. Gelten sie bei uns als gleichwertiges Familienmitglied, sind sie in manchen Ländern eher lästige Geschöpfe, um die sich keiner kümmert. Sie können sich unkontrolliert vermehren und haben oftmals Leid durch menschliche Hände erlitten. Sie werden geprügelt, eingesperrt oder einfach sich selbst überlassen. Dies prägt solche Hunde natürlich extrem, was der neue Halter im Umgang berücksichtigen muss. Manche Wunden heilen vielleicht nie. Wer einen Hund aus dem Tierschutz aufnehmen möchte, sollte daher idealerweise über fundierte Erfahrung in der Hundehaltung verfügen.

Was gibt es beim Einzug des Hundes zu beachten?

Alle Formalitäten sind erledigt, der Hund wurde von einer seriösen Tierschutzeinrichtung eingeflogen und dir als neuem Halter übergeben. Die Aufregung ist groß, auch und vor allem beim Hund. Da du nicht viel über die Vergangenheit deines neuen Begleiters weißt, solltest du einiges beachten, um ihm bei der Eingewöhnung in sein neues Leben zu helfen. Dies sind allgemeine Tipps, die jedem Hund – im Übrigen nicht nur aus dem Tierschutz – helfen können.

Gib ihm Zeit

Alles ist neu für deinen Hund. Die Umgebung, die Menschen, das Klima, die Ernährung. Körper und Seele des Hundes haben viel durchgemacht und viel zu verarbeiten. Gib deinem Hund ausreichend Zeit, alles in Ruhe zu erkunden und zu entdecken. Lass ihn zunächst in Ruhe, anstatt ihn mit Liebe zu überschütten. Gib dem Hund Gelegenheit, selbst deine Nähe zu suchen und setze Streicheleinheiten gut dosiert ein. Vermeide hektische Bewegungen und Zugriff mit der Hand von oben. Knie dich hin und nähere dich im so auf seiner Höhe.

Achte auf Sicherheit

Gerade bei den ersten Gassirunden in der neuen Umgebung weißt du nicht, wie der Hund auf sein Umfeld reagiert. Achte daher darauf, dass Leine und Halsband bzw. Geschirr gut passen. Die Ausrüstung soll deinen Hund nicht einengen, aber er darf auch nicht daraus herausschlüpfen können. Lasse ihn auf keinen Fall von der Leine.

Umgang mit Mitmenschen

Auch andere Menschen oder Familienmitglieder sind Teil des Sicherheitsaspektes. Am besten ist, wenn der Hund zunächst eine Bezugsperson hat, die ihm die nötige Stabilität vermittelt, ihn füttert, an die Leine nimmt usw. Dennoch soll der Hund natürlich lernen, dass ggf. weitere Personen mit im Haushalt leben. Jede dieser Personen sollte ebenso umsichtig und sensibel mit dem Hund umgehen und ihn nicht überfordern. Gerade Kinder möchten natürlich mit dem Hund spielen und schmusen, und du solltest ihnen erklären, dass ihr neuer Freund noch in der Eingewöhnungsphase ist. Dies dient zudem der Sicherheit der Personen, da du nicht weißt, wie der Hund auf sie reagieren könnte, d.h. eventuell aus Angst auch einmal zuschnappt.

Lust zum Spielen

Viele Hunde aus dem Tierschutz kennen keine Spielsachen. Wundere dich also nicht, falls er Bällchen und Spieltiere links liegen lässt, auch wenn du ihn zum Spielen gern animieren möchtest. Irgendwann wird er von alleine auf die Sachen aufmerksam werden und vielleicht beginnen, damit zu spielen. Akzeptiere, falls er dies zunächst nicht tut.

Verhalten beobachten

Gerade am Anfang solltest du viel Zeit damit verbringen, deinen Hund zu beobachten. Wie reagiert er auf Geräusche? Auf Mitmenschen? Auf Berührung? Auf Futtergabe? Passe dein Verhalten seinen Reaktionen an, denn das Wichtigste ist, dass du das Vertrauen deines neuen Begleiters gewinnst. Dein Hund hat womöglich Schreckliches durchlitten und reagiert mit Angst und Abwehr. Je besser du ihn beobachtest, desto besser kannst du auf ihn eingehen und weitere Maßnahmen einleiten, ihm zu helfen. Ein Hund, der beispielsweise herrenlos im Rudel auf der Straße gelebt hat und selten etwas zu fressen bekam, wird kaum entspannt sein Fressen genießen können, erst recht nicht, falls andere Hunde mit im Haushalt leben. Hier könnte es helfen, dass du deinen Hund zunächst separat fütterst, damit er lernt, dass ihm nun niemand mehr etwas wegnimmt. Das kann seine Zeit dauern.

Fazit

Einen Hund aus dem Tierschutz aufzunehmen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Jeder Hund mit seiner Geschichte ist einzigartig und muss individuell betrachtet werden. Insbesondere Verhaltensauffälligkeiten des Hundes gehören zeitnah in liebevoll professionelle Hände, sofern dir selbst die nötige Erfahrung fehlt. Mit der nötigen Geduld und Sachkenntnis steht einer langen und glücklichen Freundschaft nichts im Wege. Der Hund wird es dir auf jeden Fall danken. Hast du weitere praktische Tipps für Menschen, die Hunde aus dem Tierschutz aufnehmen möchten? Dann teile sie hier im Netzwerk in unserer Hundegruppe.

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Über den Autor / die Autorin → Andrea Schubert
Ich liebe Tiere sehr und hatte Kaninchen, Meeris, Hunde, Katzen und ein Pferd. Vor einigen Jahren habe ich bereits Beiträge für ein Haustier-Printmagazin geschrieben.