Kaninchen sind sehr beliebte Kleintiere in bundesdeutschen Haushalten. Die niedlichen Löffeltiere samt umfangreichem Zubehör sind leicht zu bekommen, da alles, auch die Tiere selbst, zuhauf in Zooläden und Tierabteilungen angeboten werden. Leider: Denn das meiste des handelsüblichen Zubehörs ist für Kaninchen nicht geeignet bzw. tierschutzwidrig, die Beratung lässt sehr zu wünschen übrig, und auch die Tiere selbst solltest du nicht in Zooläden erwerben. Vermeide Haltungsfehler bei Kaninchen durch gründliche Information.

Falschberatung vermeiden

Wie alle Kleintiere, werden auch Kaninchen in ihren Bedürfnissen nach wie vor unterschätzt. Umso wichtiger ist es, dass du dich aktiv selbst gut informierst, um das Leben deiner gegenwärtigen oder zukünftigen Kaninchen artgerecht zu gestalten. Auch die meist mangelhafte Beratung in Zoogeschäften trägt dazu bei, dass viele Kaninchen schlecht gehalten, gepflegt und ernährt werden.

Haltungsfehler führen nicht nur zu Verhaltens-, sondern auch zu Gesundheitsproblemen deiner Kaninchen. Hier erfährst du, welche grundsätzlichen Fehler du bei der Anschaffung, Haltung und Ernährung von Kaninchen vermeiden solltest, damit deine Kaninchen rundum glücklich leben können und du lange Freude mit ihnen hast.

Das sind die größten Haltungsfehler bei Kaninchen:

  1. Einzelhaltung
    Kaninchen sind sehr soziale Tiere, und alleine vereinsamen sie und quälen sich sehr. In Österreich und der Schweiz ist ihre Einzelhaltung sogar inzwischen gesetzlich verboten. Auch Partner wie Meerschweinchen sind unpassend, da diese eine andere „Sprache“ sprechen und die beiden Tierarten nicht miteinander kommunizieren können. Am besten vertragen sich eine Häsin und ein kastriertes Böckchen. Nur gleichgeschlechtliche Tiere geraten öfters aneinander und können sich sogar übel verletzen. In größeren Gruppen passen am besten gleich viele Häsinnen und kastrierte Böckchen zusammen. Wenn sie zudem alle etwa gleich alt sind, ist dies ebenfalls von Vorteil. Junge Kaninchen brauchen gleichaltrige Spielpartner.
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  2. Käfighaltung
    Die meisten handelsüblichen Käfige sind viel zu klein, und es ist pure Qual, Kaninchen darin zu halten. Sie können 80-100 cm hoch springen und bis zum 60 km/h schnell laufen. Sie schlagen Haken, tollen herum und spielen gern, was in einem Gitterkäfig kaum möglich ist. Laut §2 Tierschutzgesetz musst du dem Rechnung tragen und als Mindestmaß 2 qm mit Auslauf und 3 qm ohne Auslauf je Kaninchen einplanen. Wenn du Kaninchen halten möchtest, stelle ihnen daher ein entsprechend großes Innen- oder Außengehege zur Verfügung.
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  3. Qualität des Außengeheges
    Auch das Außengehege muss ausreichend groß sein, damit deine Kaninchen ihrem Bewegungsdrang nachkommen können. Handelsübliche Außenkäfige werden dem kaum gerecht, und sie müssen um entsprechende Freilauffläche ergänzt werden. Zudem muss das Gehege von allen Seiten, auch von oben und unten, gegen Fressfeinde und Ausbrechen gesichert sein. Bedenke, dass Kaninchen bis zu einem Meter hoch springen können, und plane entsprechend hoch. Kaninchen lieben und brauchen frische Luft, so dass sie auch im Winter und bei schlechtem Wetter nach draußen möchten. Komplette Stallhaltung bei Schlechtwetter schadet ihnen. Wichtig ist, dass du ihnen, je nach Gruppengröße, mindestens ein warmes Schutzhäuschen anbietest. Dieses muss groß genug sein, damit die Tiere nicht nur aufeinander hocken, und muss mindestens zwei Ein-/Ausgänge haben. Da Kaninchen auch nachts viel aktiv sind, sollten sie dann nicht grundsätzlich eingesperrt werden.
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  4. Spielpartner für Kinder
    Kaninchen sind als Spielpartner eher ungeeignet. Zwar sind sie leichter zu handhaben als Hamster oder Meerschweinchen, allein weil sie etwas größer sind. Dennoch schätzen Hoppelmänner es nicht, hochgenommen und herumgetragen zu werden, und dies sollte nur geschehen, wenn es sein muss, z.B. zum Gesundheitscheck oder einer Fahrt zum Tierarzt. Kinder verstehen das oft nicht und wünschen sich lieber ein Tier, mit dem sie interagieren und schmusen können. Für ältere Kinder aber, die mit Hilfe der Eltern lernen möchten, Verantwortung für ihre Tiere zu übernehmen und diese auch gern beobachten, können Kaninchen gute Freunde sein.
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  5. Unterschätzen des zeitlichen und finanziellen Aufwands
    Bei guter Haltung können Kaninchen gute 10-12 Jahre alt werden. Das ist eine lange Zeit, über die du dir vor der Anschaffung im Klaren sein musst. Die tägliche Pflege erfordert Zeit, und im Krankheitsfall können recht hohe Tierarztkosten auf dich zukommen. Auch die tägliche Gesundheitspflege erfordert Zeit und Mühe.
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  6. Fehlernährung
    Heu und handelsübliches Trockenfutter verlangsamen den Stoffwechsel und führen zu Verdauungsproblemen und Krankheiten. Kaninchen benötigen stets abwechslungsreiches Frischfutter, Zweige und Kräuter und eher wenig Obst. Achte bei Trockenfutter darauf, dass es Saaten, Kräuter und getrocknetes Gemüse und keine Nebenerzeugnisse enthält. Du kannst das Futter auch selbst mischen.
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  7. Der Kauf
    Wie oben schon beschrieben, machen viele den Fehler, Kleintiere in Zooläden zu kaufen. Es gibt viele Gründe dagegen: Oft stammen diese Tiere aus Zuchten, in denen die Tiere, vor allem die Mütter, schlecht gehalten werden. Des Weiteren ist die Unterbringung im Zooladen alles andere als artgerecht und bequem für die jungen Kaninchen. Selbst wenn sie nur kurz dort leben, ist der Platz zu eng, und sie werden zusätzlich durch neugierige Kunden gestresst. Es gibt unzählige Kaninchen in Tierheimen und Nothilfen, die unschuldig dort gelandet sind und auf ein schönes, neues Zuhause warten. Die Mitarbeiter dort kennen ihre kleinen Schützlinge, so dass sie Auskunft über ihre Eigenarten und Persönlichkeit geben und beurteilen können, ob das Tier zu dir passt. Wenn du dein Kaninchen im Heim holst, hast du also in jeder Hinsicht etwas Gutes getan.

Schon gewusst?

Kaninchen gehören nicht, wie die meisten denken, zu den Nagetieren. Sie gehören zur Familie der Hasen und stammen vom europäischen Wildkaninchen ab. Seit dem 16. Jahrhundert werden sie als Hauskaninchen gezüchtet. Als Zwergkaninchen gelten alle Kaninchen mit einem Gewicht unter 2 kg, was sie äußerst krankheitsanfällig macht; daher dürfen sie in der Zucht untereinander nicht verpaart werden. In freier Wildbahn leben Kaninchen ausschließlich in festen Verbänden mit klarer Rangordnung und ausgeprägtem Sozialverhalten und leben niemals allein. Ihre ursprüngliche Lebensweise musst du bei ihrer Haltung als Haustier in jedem Fall berücksichtigen.

Verantwortungsvolle Haltung der süßen Hoppler will gut geplant und überlegt sein, ist aber bei guter Vorbereitung auch kein Hexenwerk. Zudem macht es ja auch total viel Spaß, alles für deine kleinen Hoppler zu planen, vorzubereiten, einzukaufen und einzurichten. Informiere dich bei guten und erfahrenden Kaninchenhaltern und tausche dich auch mit Gleichgesinnten in unserem Kleintier-Netzwerk aus.

In unserem zweiten Ratgeber-Teil „Kaninchen rundum glücklich“ geht es weiter mit jeder Menge guter Tipps rund um die Haltung von glücklichen Kaninchen.

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