Wer Kleintiere hält, seien es Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse oder Vögel, möchte ihnen ihr Zuhause so angenehm wie möglich gestalten. Leider gibt es allerlei Zubehör, welches die Gesundheit oder sogar das Leben der Kleintiere gefährdet. Diese Gegenstände werden als tierschutzwidriges Zubehör eingestuft.

Was ist tierschutzwidriges Zubehör?

Gemäß §2 Tierschutzgesetz ist jeder Halter dazu verpflichtet, sein Tier angemessen zu ernähren, zu pflegen und unterzubringen. Hierzu gehört, dass jedwedes Zubehör, was dies nicht gewährleistet, nicht zum Einsatz kommen darf. Leider wird tierschutzwidriges Zubehör trotzdem massenweise in Zoofachgeschäften und im Online-Handel angeboten. Aufgrund von Unwissenheit und Bequemlichkeit werden diese Artikel leider auch gekauft.

Mangel an Aufklärung

Viele Kleintiere leiden physische und psychische Schmerzen aufgrund mangelhafter Aufklärung ihrer Besitzer. Je besser du darüber Bescheid weißt, welche Gegenstände unter tierschutzwidriges Zubehör fallen, desto besser kannst du dein neues Kleintiergehege einrichten bzw. dein vorhandenes überprüfen und alles, was deinem Kleintier schadet, entsorgen. Diese Artikel fallen gemäß der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz unter tierschutzwidriges Zubehör und haben in keinem Kleintiergehege etwas zu suchen:

Plastikzubehör

Bunte Plastikröhren und Plastikhäuschen sehen niedlich und lustig aus. Sie suggerieren, dass auch die Tiere viel Spaß damit haben, aber sie sind aus folgenden Gründen völlig ungeeignet:

  • Aufgrund schlechter Luftzirkulation und der Schwierigkeit, sie gründlich zu reinigen, bilden sich darin Schimmel, Bakterien und Pilze, die u.a. den Atemwegen der Tiere schaden können.
  • Viele der Röhren sind zu klein, die Tiere können darin stecken bleiben.
  • Bei warmen Temperaturen staut sich die Hitze im Plastikzubehör, was wiederum zu Schimmelbildung usw. führt.
  • Durchsichtige Röhren entsprechen nicht dem natürlichen, dunklen Höhlensystem der Tiere.

Alternative: Verwende Materialen wie Bambus-, Kork-, Papp- oder Tonröhren. Häuschen sollten aus unbehandeltem Holz (kein Nadelholz) oder Keramik bestehen.

Ungeeignete Laufräder

Viele handelsübliche Laufräder schaden der Gesundheit von Hamstern oder Mäusen aus folgenden Gründen:

  • Der Durchmesser ist zu klein, was Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden verursacht.
  • Die Lauffläche ist nicht geschlossen, sondern besteht auf offenen Sprossen, in denen die Tiere mit ihren Beinen hängen bleiben und sich schwer verletzen können.
  • In ungeeigneten Haltestreben, Befestigungssystemen oder auch unter dem Laufrad können sich die Tiere einklemmen.
  • Das Laufrad ist aus billigem Plastik, was angenagt werden kann. Die Absplitterungen können zu schweren Verletzungen führen, sowohl durch Verschlucken als auch durch Berührung beim Radeln.

Alternative: Verwende nur hochwertige Laufräder aus Holz, Kork oder hochwertigem Kunststoff. Je nach Tierart muss der Durchmesser mindestens 28cm betragen. Eine Seite der Lauffläche muss geschlossen sein.

Gitteretagen in Käfigen

Viele Käfige haben eingezogene Etagen, die aus Gittern bestehen. Kleintiere können aber auf Gittern nicht laufen: Sie haben dabei Schmerzen und ihre kleinen Füße oder Krallen können in den Gittern hängen oder stecken bleiben.

Alternative: Decke Gitteretagen mit dünnen Holzplatten ab oder verwende Materialen wie Kork, Holz oder Plexiglas.

Joggingbälle und Leinen

Manche Leute stecken ihre Kleintiere, z.B. Hamster, in so genannte Joggingbälle und lassen sie darin durch die Wohnung rollen. Diese kleinen Joggingbälle oder auch ähnliches ‚Spielzeug‘ und auch Leinen für Kleintiere sind absolut gefährlich und ein Beispiel für tierschutzwidriges Zubehör par excellence:

  • Hohe Verletzungsgefahr beim Anstoßen an Wände oder Möbel
  • Der Aufenthalt darin ist Angst und Stress pur für die Tiere
  • Atembeschwerden aufgrund schlechter Belüftung
  • Das Tier hat in der Kugel keinen Orientierungssinn und kann sie nicht kontrollieren
  • Gehör- und Geruchssinn der Tiere funktionieren in der Kugel nicht
  • Leinen können zu Zerrungen, Prellungen und Brüchen führen und setzen die Tiere sehr unter Stress.

Alternative: Biete deinem Kleintier ein artgerechtes und ausreichend großes Gehege, so dass es sich nach Herzenslust bewegen kann. Joggingbälle und Leinen bieten den Tieren keine adäquate Bewegung.

Hamsterwatte, Nagerbetten und Grasnester

Im Handel werden derlei Artikel zum Nestbau für Hamster oder Mäuse angeboten. Hamsterwatte ist gefährlich, weil sich Fäden daraus lösen und Füße oder Beine der Tiere abklemmen oder sogar abtrennen können. Weiterhin kann Hamsterwatte oder das Material der Nagerbetten die Backentaschen der Hamster verstopfen. Grasnester werden mit dünnem Metallgeflecht zusammengehalten. Teile daraus können sich lösen und die Tiere schwer verletzen.

Alternative: Biete Nistmaterial wie Heu, Stroh, unbehandelte Taschentücher, Laub oder dünne Zweige an.

Zu kleine Käfige oder Terrarien

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass kleine Tier nur wenig Platz brauchen. Die meisten handelsüblichen Käfige sind zu klein und bieten den Tieren nicht ausreichend Möglichkeit, sich zu bewegen. Kleine Plastikkäfige sind zudem Herde für Bakterien, Pilze und Schimmel. Bei manchen Kleintierarten wie Hamstern oder Lemmingen sind Terrarien zudem vorteilhafter als Gitterkäfige.

Alternative: Leider wirst du im Zoofachhandel meist schlecht beraten, was die Größe von Gehegen und Käfigen angeht. Beachte die Mindestgrößen für Kleintiergehege und berate dich mit erfahrenen Kleintierhaltern in unserem Netzwerk.

Fazit:

Warum wird der Verkauf tierschutzwidrigen Zubehörs generell nicht verboten? Im Jahre 2015 gab es eine Petition mit dem Anliegen, dass die Bundesregierung ein solches Verbot zum Wohle der Tiere beschließen möge. Dem Anliegen wurde widersprochen, da die Bundesregierung der Meinung war, dass die Regelungen des §2 Tierschutzgesetz kombiniert mit fachlicher Beratung durch den Handel ausreichend seien, um die Tiere zu schützen. Demnach ist der Handel voll mit schädlichen Produkten, nicht nur für Kleintiere.

Daher muss jeder Tierhalter selbst die Verantwortung übernehmen: Kleintiere sind durchaus anspruchsvoll in ihrer Haltung. Wenn du dich richtig informierst, kannst du leicht klassische Haltungsfehler vermeiden. Ist es dir nicht möglich, den Tieren optimale Bedingungen zu schaffen, überlege dir, ob ein Kleintier wirklich das Richtige für dich ist.

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