Wenn du einen Hund hältst, wird früher oder später das Thema Kastration auf dich zukommen. Anders als bei Katzen, wo es seit einiger Zeit je nach Gemeinde bereits eine Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht zur Eindämmung der Überpopulation gibt, wird das Thema Kastration bei Hunden teils kontrovers diskutiert. Hier bekommst du einen Überblick über die Gründe, Chancen und Risiken der Kastration bei Hunden.

Begriffsklärung: Kastration und Sterilisation

Oftmals wird Kastration mit Rüden und Sterilisation mit Hündinnen in Verbindung gebracht. Tatsächlich aber sind beide Methoden auf beide Geschlechter anwendbar: Sterilisation meint das Durchtrennen der Samen- bzw. Eileiter. Kastration bedeutet die vollständige Entfernung der Hoden bzw. der Eierstöcke und ggf. der Gebärmutter. Sterilisationen werden in der Tiermedizin, z.B. bei Katzen, aber eher nicht durchgeführt.

Gründe für Kastration

Es gibt drei Hauptgründe, die Kastration bei Hunden in Erwägung zu ziehen: Vermeidung der Fortpflanzung, Bewirken einer Verhaltensänderung der Tiere, sowie medizinische Gründe wie beispielsweise Tumorbefall. Kastration bei Hunden ist ein operativer Eingriff mit entsprechenden Risiken und darf vom Tierarzt nur durchgeführt werden, wenn es genügend gute Gründe für den Eingriff gibt. Hierbei ist jeder Fall einzigartig und muss entsprechend zum Wohle des jeweiligen Tieres bewertet werden. Zu den Gründen im Einzelnen:

Unerwünschten Nachwuchs vermeiden

Auch wenn der Halter gut auf seine Hündin aufpasst, kann es in einem unbeobachteten Moment geschehen, dass ein Rüde die Hündin deckt, sei es ein mit im Haushalt lebender Rüde oder ein Spielkamerad draußen beim Freilauf. Bei Hündinnen verhindert Kastration daher sicher unerwünschten Nachwuchs. Zyklus und Blutung der Hündin bleiben nach dem Eingriff aus, was zudem in mancherlei Hinsicht als Erleichterung seitens des Halters empfunden wird.

Kastration und Verhaltensänderung

Manche Rüden haben einen starken Sexualtrieb mit entsprechendem Verhalten anderen Hunden gegenüber. Statt entspannter Spaziergänge jagt der Rüde nur noch verlockenden Düften hinterher, jault ggf. vermehrt und frisst nicht mehr gut. Dies kann für den Halter und letztlich auch für den Hund durchaus stressig sein, was eine Kastration überlegenswert machen könnte. Ähnlich sieht es bei läufigen Hündinnen aus, die während dieser Zeit besser nicht unangeleint umherlaufen sollten, weil sie außerdem leicht ablenkbar und schlechter zu kontrollieren sind. Ist die Hündin kastriert, wird sie in dieser Hinsicht meist um einiges entspannter sein als zuvor.

Medizinische Gründe für eine Kastration bei Rüden

Es gibt Erkrankungen, bei der eine Kastration des Rüden angezeigt ist. Hierzu zählen Erkrankungen der Prostata, vor allem die Prostatavergrößerung, die zu unangenehmen und schmerzhaften Begleiterscheinungen wie Blut im Urin oder erschwertem Kotabsatz führen kann. Eine Kastration lässt die Prostata wieder schrumpfen und führt somit zum Ende der Beschwerden. Des Weiteren können Tumore in den Hoden oder den Analdrüsen eine Kastration bei Hunden notwendig machen. Sicherheitshalber wird der Tierarzt während des Eingriffs beide Hoden entfernen. Auch wenn die meisten Tumore der Analdrüsen gutartig sind, kann eine Kastration bei bösartigen Tumoren die Prognose verbessern. Zur Vorbeugung solltest du deinen Rüden regelmäßig tierärztlich untersuchen lassen.

Medizinische Gründe für eine Kastration der Hündin

Akute Erkrankungen wie Gebärmutterentzündung, Diabetes oder Tumore bzw. Zysten der Eierstöcke können eine Kastration aus medizinischen Gründen notwendig machen. Manche Hündinnen sind zudem während der Läufigkeit vermehrt verhaltensauffällig, wo solch ein Eingriff ebenfalls Abhilfe schafft. Thema Scheinträchtigkeit: Leichte Scheinträchtigkeit ohne körperliche und psychische Beeinträchtigung ist ein durchaus normales Phänomen, welches auch der Wolf als Vorfahr des Hundes kannte, und bedarf keines medizinischen Eingriffs. Sollte die Scheinträchtigkeit jedoch wiederholt und regelmäßig auftreten und die Hündin nachhaltig beeinträchtigen (u.a. aggressives Verhalten, Apathie), kann sich eine Kastration als sinnvoll erweisen. Lasse deine Hündin daher regelmäßig vom Tierarzt untersuchen und besprich mit ihm eventuelle Auffälligkeiten.

Risiken der Kastration

Wie bei jeder Operation kann es währenddessen immer zu Komplikationen kommen. Vor allem ältere Tiere stecken diese nicht so leicht weg wie Jungtiere und brauchen länger, um sich von dem Eingriff zu erholen. Weitere Folgen können sein: Inkontinenz (besonders bei Hunden ab 20kg Körpergewicht, Übergewicht (Hündinnen sind eher davon betroffen als Rüden), Fellveränderungen bei Hündinnen (dichtere Unterwolle, Haarausfall) oder Diabetes (geht oft mit Übergewicht einher). Umso wichtiger sind eine gesunde, dauerhaft umgestellte Ernährung sowie ausreichend Bewegung für Rüde und Hündin nach einer Kastration.

Der richtige Zeitpunkt

Sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen wirkt sich eine Kastration durch die veränderte Hormonlage auf die körperliche und geistige Entwicklung aus. Daher sollte der Eingriff bei Hündinnen nicht vor der ersten Läufigkeit durchgeführt werden, also nicht vor dem 8. bis 10. Lebensmonat – besser noch erst nach der zweiten Läufigkeit. Bei Rüden gilt, dass sie ausgewachsen sein müssen und beim Eingriff mindestens 12 Monate alt sein sollten.

Kastration beim Hund ist ein Eingriff, der ohne medizinische Indikation im Grunde gar nicht durchgeführt werden darf oder sollte oder muss. Manch ein Tierhalter geht leichtfertig mit dieser Entscheidung um und glaubt, dass sein Hund mit der Kastration ruhiger, pflegeleichter und umgänglicher wird. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen, ist es doch in erster Linie ratsam, bestimmte Verhaltensweisen des Hundes zu analysieren und ihnen ggf. mit professioneller Hilfe zu begegnen. Dies ist eine wesentlich tierfreundlichere Variante, als ein tiefgreifender Eingriff mit oft schwer zu kalkulierenden Folgen. Dies ist auch die Frage, in der die Meinungen pro/contra Kastration stark auseinander gehen. Pubertierendes Verhalten eines jungen Hundes ist kein Grund für eine Kastration und gemäß §6 Tierschutzgesetz tatsächlich verboten.

Kastration beim Hund ist somit eine verantwortungsvolle und folgenschwere Entscheidung, die du nicht leichtfertig und unüberlegt treffen solltest.

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Über den Autor / die Autorin → Petra Schulz Administrator
Als Redakteurin kümmere ich mich um das Magazin des HPC und schreibe Beiträge und Reportagen. 🙂