Lemminge sind knuffige Gesellen. In erster Linie kennen wir sie aus Naturfilmen, in denen sie in ihrem natürlichen Lebensraum in freier Wildbahn gezeigt werden. Sie gehören zur Familie der Mäuse. Ihr Verhalten und ihre Lebensweise sind noch nicht voll umfassend erforscht und bergen noch viele Geheimnisse. Lemminge gelten als die Selbstmörder in der Tierwelt, die sich aus unbekannten Gründen von der Klippe stürzen. Allerdings ist dies ein sich hartnäckig haltender Mythos – von Lebensmüdigkeit keine Spur. Ihre verantwortungsvolle und artgerechte Haltung als Haustier erfordert einiges an Vorbereitung, und nachfolgend findest du viel Wissenswertes über Lemminge.

Vor dem Kauf

Nach und nach erobert speziell der graue Steppenlemming die Herzen erfahrener und geduldiger Tierfreunde. In der Haustierhaltung sind sie dem Hamster nicht unähnlich, weisen jedoch aufgrund ihrer natürlichen Veranlagungen und Bedürfnisse einige Unterschiede auf. Wenn du Lemmingen ein interessantes und passendes Zuhause geben möchtest, solltest du dich zuvor gut mit ihren Eigenheiten beschäftigen. Bitte beachte, dass Lemminge keine idealen Haustiere für Kinder sind. Sie sind keine willigen Spielkameraden, werden oft gar nicht zahm und mögen es nicht, herumgetragen zu werden. In der Dämmerung werden sie aktiv, während sie tagsüber meistens schlafen, was nicht zum Tagesrhythmus von Kindern passt. Es sind hübsche Tiere zum Beobachten für junge Leute oder Erwachsene.

Lemminge lieben kleine Gruppen

Anders als Hamster sind Lemminge keine Einzelgänger, sondern werden idealerweise in Gruppen von zwei bis vier Tieren gehalten. Am besten vertragen sich aus einem Wurf stammende Geschwister. Das Böckchen muss in jedem Fall kastriert werden, da sie sich rasant vermehren können. Viele erliegen gern dem Irrtum, dass ein kleines Tier nur wenig Platz braucht. Kleine Gruppen aber brauchen entsprechend viel Platz. Interessant ist, dass ein zu großes Gehege zu vermeiden ist, da die Gefahr besteht, dass sich die Gruppe aufspalten und es zu Revierkämpfen kommen kann. Sofern das Gehege ausreichend groß und abwechslungsreich gestaltet ist, brauchen Lemminge keinen Auslauf. Ein Auslauf bedeutet für sie Betreten fremden Territoriums, was sie eher stresst als ihnen Vergnügen bereitet.

Das passende Gehege finden

Lemminge brauchen ausreichend Platz zum Spielen und Buddeln. Leider bietet der Zoofachhandel meist viel zu kleine Käfige oder Terrarien an. Kleine Gruppen fühlen sie sich in einem Gehege von ca. 120x50x50cm wohl. Jedes Gehege, ob Terrarium, Aquarium oder Käfig, hat seine Vor- und Nachteile. Am wenigsten geeignet sind Käfige: Die Bodenschale kann nicht hoch genug eingestreut oder auch von den Tieren angenagt werden. Dabei können sich gefährliche Splitter lösen. Gitterstäbe laden möglicherweise ebenfalls zum Annagen ein. Besser geeignet sind Aquarien. Sie bieten die Möglichkeit, hoch genug einzustreuen (d.h. ca. 25cm), wobei keine Einstreu herausfallen kann und die Lemminge ihre unterirdischen Gänge anlegen können. Glaswände bieten zudem gute Sicht auf die Tiere. Wichtig ist, dass das Aquarium gut belüftet und von oben mit einem engmaschigen Gitter abgedeckt ist. Der Standort sollte ruhig sein, sich also eher nicht neben dem Fernseher oder der Stereoanlage befinden, bei einer Raumtemperatur um 20 Grad und ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten

Lemminge freuen sich über ein abwechslungsreich gestaltetes Gehege, in dem es immer etwas zu entdecken gibt. Sie lieben Labyrinthe aus Holz, Kork oder Pappe und Keramikunterschlupfe. Auch an ungiftigen Pflanzen, die zudem noch hübsch aussehen, haben Lemminge Freude. Zusätzliche Etagen im Gehege erweitern den Aktionsradius der Tiere und können genutzt werden, um Futter- und Wassernäpfe abzustellen. Stelle die Futterschale auf einen flachen Stein, damit die Tiere über den Stein laufen und sich so ihre Krallen natürlich abnutzen können. Ein Sandbad wird auch gern angenommen. Hierfür kannst du eine Tonschale oder ein mit Chinchillasand gefülltes Bonbonglas nehmen. Einrichtungsgegenstände aus Plastik sind gänzlich ungeeignet. Sie werden leicht angenagt, so dass die Tiere Plastikteile verschlucken können. Zudem sind sie schlecht belüftet, z.B. Plastikröhren, so dass sich darin gesundheitsschädliche Keime ansiedeln können.

Lemminge im Laufrad

Tatsächlich radeln auch Lemminge gern einmal im Laufrad. Größeren Gruppen brauchen mehrere Räder, da sich die Tiere hin und wieder darum streiten. Wichtig ist, dass die Lauffläche des Rades geschlossen ist, denn an Sprossen können die Tiere sich verletzen. Ideal ist ein Durchmesser von 22cm. Als Material eignet sich harter Kunststoff oder Holz. Billige Laufräder aus Weichplastik können angenagt werden und schwere Verletzungen hervorrufen. Es lohnt sich in jedem Fall, qualitativ hochwertige Laufräder zu besorgen. Das Laufrad muss auf sicherem Untergrund stehen, darf nicht kippeln oder umfallen und die Lemminge dürfen nicht Gefahr laufen, unter der Lauffläche eingeklemmt zu werden.

Ein gemütliches Plätzchen zum Schlafen

Lemminge bauen sich ihre Schlafnester gern selbst. Hierzu nutzen sie Baumaterialien wie Heu oder Stroh, Blätter und Kräuter, Moose oder verschiedene Arten von Tüchern. Taschen- oder Kosmetiktücher müssen parfümfrei und unbehandelt sein. Stoffreste und Hamsterwatte sind ungeeignet, weil sich Fäden daraus lösen können, an denen die Lemminge sich verletzen können. Schon manch ein armer Hamster oder Lemming hat sich daran ein Beinchen abgeklemmt. Biete ihnen zusätzlich zum eigenen Nest ein Häuschen zum Schlafen. Es sollte rund 15x15x10cm groß sein, mit mindestens zwei ca. 3,5cm großen Eingängen. Sehr gut geeignet hierfür sind Holzhäuschen für Hamster.

Hausputz

Lemminge sind sehr reinliche Tiere. Meist richten sie sich eine Pipiecke ein, die leicht sauber gemacht werden kann. Eine Komplettreinigung des Geheges ist sehr stressig für die Tiere und sollte keinesfalls öfter als alle vier Wochen durchgeführt werden – was auch nicht notwendig ist. Eine Komplettreinigung zerstört ihre Duftmarken und Gänge, was die Tiere unnötig aufregt. Das Nest und ein wenig Einstreu sollte vorher immer herausgenommen und zum Schluss wieder zugefügt werden. Die Einrichtung sollte bis auf ein oder zwei Elemente wieder so aufgebaut werden, wie sie war. Um die Lemminge vor der Reinigung aus dem Gehege zu nehmen, locke sie am besten mit einem Leckerli in einen Becher oder eine kleine Box. Verschließe den mit ein wenig Nistmaterial gefüllten Behälter sicher, da die Tiere ihn ganz flink alleine verlassen können.

Was kommt in den Napf?

Ausgewogene Ernährung ist wichtig für ein langes und gesundes Lemmingleben. Lemminge benötigen Futter mit Sämereien und Getreide, Kräutern und Keimen. Es gibt hervorragendes spezielles Lemmingfutter passend für jedes Alter (Lemminge werden bis zu 2,5 Jahre alt). Zudem benötigen sie Grünfutter, frisches Gemüse und Heu. Alle paar Tage freuen sich die Tiere über ein Stückchen Obst. Das Trockenfutter kann gern im Gehege oder kleinen plastik- und klebstofffreien Kartons versteckt werden, so dass die Tiere es sich zusammensuchen müssen. Auch sie bunkern, wie Hamster, gern ihr Futter ein. Verdorbene Futterreste sollten regelmäßig entfernt werden. Wenn du den Tieren frische Zweige zum Knabbern gibst, können sie gut ihre Zähne daran abnutzen. Täglich frisches Wasser ist ein Muss.

Auf gute Herkunft achten

Wo bekommst du deine Lemminge her? Noch sind sie – zum Glück – nicht so leicht zu bekommen wie andere Kleinnager. Erkundige dich in erster Linie in Tierheimen, ob dort Lemminge auf ein neues Zuhause warten. Alternativ informiere dich über gute, seriöse und liebevolle Hobbyzüchter, die Lemminge anbieten. Gute Züchter sind keine Massenvermehrer; sie haben nur wenige Elterntiere in vorbildlicher Haltung, achten darauf, dass sie keine eng verwandten Tiere verpaaren und trennen sie nicht zu früh von der Mutter. Weiterhin geben sie dir nützliche Informationen, wie du deine kleine Lemminggruppe am besten zusammensetzen kannst. Lemminge – so wie andere Kleinnager – aus Zoogeschäften stammen in der Regel von Massenvermehreren und sollten dort keinesfalls erworben werden.

Fazit

Kleines Tier ganz groß! Ein Wildtier erobert die Herzen der Tierhalter. Wer viel Geduld und Zeit mitbringt, sich umfassend über die artgerechte Haltung zu informieren, und diese umzusetzen, wird viel Freude an seinen süßen Lemmingen haben und ihnen ein bestmögliches Leben bieten können.

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