Das Tierhorten, Animal Hoarding, ist eine gravierende psychische Störung des Menschen. Diese Störung führt dazu, dass der Betroffene unkontrolliert lebende Tiere sammelt und diese in unwürdigen Zuständen hält. Animal Hoarding bedeutet großes Leid sowohl für den von dieser Störung betroffenen Menschen als auch für die bei ihm lebenden Tiere. Oft leben diese Menschen im Verborgenen mitten unter uns. Je mehr wir über Animal Hoarding wissen, desto besser können wir betroffene Menschen in unserem Umfeld erkennen und Hilfe, vor allem für die Tiere, einleiten.

Hier erhältst du einen Überblick, wie du Fälle von Animal Hoarding erkennen und was du aktiv tun kannst.

Merkmale beginnenden Animal Hordings

Nicht jeder, der viele oder mehrere Tiere hält, ist auch ein Tierhorter. Es gibt wesentliche Merkmale, die einen Tierhorter von einem verantwortungsvollen Tierhalter unterscheiden. Animal Hoarding hat immer ein Anfangsstadium mit folgenden Kriterien:

  • die Anzahl der gehaltenen Tiere übersteigt den bundesdeutschen Durchschnitt (etwa mehr als vier Katzen, drei Hunde, fünf Kleintiere)
  • es ist zu wenig Platz für die Menge an Tieren
  • der Tierhalter ist uneinsichtig, dass die Anzahl der Tiere reduziert werden muss.

Kennzeichen fortgeschrittenen Animal Hoardings

Der Übergang vom Anfangsstadium zum fortgeschrittenen Fall von Tierhorten ist fließend. Kennzeichnend ist, dass die Lebensumstände der Tiere stetig schlechter werden und zu lebensbedrohlichen Zuständen führen:

  • schlimme hygienische Zustände der Wohnung durch starke Verschmutzungen
  • die Tiere werden schlecht oder gar nicht mehr ernährt und bekommen kein oder zu wenig Wasser
  • kranke Tiere werden nicht behandelt
  • nicht kastrierte Tiere werden zusammen gehalten, so dass sie sich weiter vermehren können
  • Anweisungen von Ämtern wird sich widersetzt und der Zutritt in die Wohnung verweigert
  • der Tierhalter bleibt uneinsichtig und möchte sich von keinem der Tiere trennen.

Hier kann nur das Veterinäramt eingreifen, dem Halter schlussendlich die Tiere wegnehmen und ein Tierhaltungsverbot erlassen. Falls der Tierhorter keine psychologische Betreuung und Therapie bekommt, wird er allerdings immer wieder damit anfangen Tiere zu horten.

Animal Hoarding und Tierschutz

Immer wieder gelangen Fälle von Tierhortern an die Öffentlichkeit. Dem ist meist ein langer Weg vorausgegangen, da es für die Mitarbeiter der Veterinärämter nicht leicht ist, an diese Menschen heranzukommen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Tierhorter leben meist isoliert und unauffällig, vor allem, wenn sich das Drama in der eigenen Wohnung abspielt. Fälle, in denen die Tiere auf offenem Gelände leben, z.B. Pferde in Ställen oder Unterständen, sind schon eher zu erkennen. Bis dem Tierhorter die Tiere letztendlich weggenommen werden können, mussten erst andere Mittel wie Gespräche, Bußgelder etc. fehlschlagen. Auch Amtstierärzte und Staatsanwaltschaft sind involviert. Da auch dort die Mühlen langsam mahlen, bedeutet dies meist einen langen Leidensweg für die Tiere.

Auswirkungen von Animal Hoarding auf die Tiere

Tierhorter sind aufgrund ihrer psychischen Disposition nicht in der Lage, sich angemessen um Tiere zu kümmern. Betroffen sind alle Tierarten, vom Kaninchen bis zum Pferd. Durch die zunehmende Verwahrlosung müssen diese Tiere viel Leid und Qual ertragen. Sie sind unter- bzw. fehlernährt und bekommen keinen Zugang zu frischem Wasser. Oft leben sie in ihren eigenen Hinterlassenschaften. Sie leiden an einer Vielzahl von Krankheiten, Parasiten und Wurmbefall. Das Platzangebot reicht bei weitem nicht aus, so dass es je nach Tierart zu gefährlichen Rangkämpfen kommen kann. Die Folge von alldem sind Stress und massive Verhaltensstörungen sowie körperliche Schäden und Verletzungen. Diese werden vom Tierhorter nicht tierärztlich behandelt, so dass die Tiere dauernd physischen und psychischem Schmerz ausgesetzt sind.

Lösungswege auf behördlicher Ebene

Das Phänomen des Tierhortens ist in den letzten Jahren vermehrt in den Vordergrund gerückt. Im Jahre 2008 wurde ein Zusammenschluss bestehend aus Tierärzten, Tierschutzexperten und Rechtsanwälten gegründet, die gemeinsam mit Psychologen Lösungen erarbeiten und Aufklärungsarbeit betreiben. Sie rücken das Thema zunehmend an die Öffentlichkeit, was wichtig ist, um zum einen möglichst viele Menschen darauf aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Zum anderen soll durch bessere und effizientere Zusammenarbeit der Prozess bis zur Wegnahme der Tiere beschleunigt werden.

Studien zum Animal Hoarding

In erster Linie wurde in den U.S.A. das Phänomen des Animal Hoarding erforscht. Die Forschungen begannen 1997 und wurden erstmalig 2012 veröffentlicht. Die Studie hat folgende Typen von Menschen ermittelt, die Tiere horten:

Der Retter-Typ hält Tiere, weil er ihnen grundsätzlich ein besseres Leben ermöglichen möchte, denn nur bei ihm haben sie es gut. Er muss immer mehr Tiere aufnehmen, auch wenn er ihnen in keiner Weise gerecht werden kann. Anweisungen von Ordnungs- oder Veterinäramt widersetzt er sich strikt.

Der Pfleger-Typ lebt als sozialer Einzelgänger, dem Tiere wichtiger sind als Menschen. Er will sich gut um die Tiere kümmern, was er allerdings nicht schafft. Versorgung und Pflege wachsen ihm über den Kopf, Tiere vermehren sich unkontrolliert.

Der Züchter-Typ will in erster Linie die selbst gezüchteten Tiere ausstellen und verkaufen. Er verliert immer mehr die Kontrolle über die Vermehrung und den Gesamtbestand, da er weniger Tiere verkauft als er nachzüchtet.

Der Ausbeuter-Typ hortet selbstsüchtig Tiere, da es ihm an Empathie fehlt. Er handelt aus egoistischen Motiven, während er Behörden gegenüber sehr selbstsicher auftritt.

Der Übergang der Typen kann fließend und nicht immer eindeutig zuzuordnen sein. Weiterhin konnte die Studie ermitteln, dass mehr als die Hälfte der Tierhorter weiblich und älter als 45 Jahre ist und oft allein lebt. Tierhorter halten durchschnittlich 105 Tiere, davon überwiegend Hunde und Katzen, wobei die höchste Anzahl an Tieren im Bereich Kleintiere/Nager zu finden ist. Mindestens 60% der Tiere sind krank, viele werden schon tot aufgefunden, fast alle sind schlecht versorgt hinsichtlich Hygiene, Ernährung, Platzangebot usw. Rund 40% der Tiere können diese Zustände nach dem Auffinden nicht überleben und müssen euthanasiert werden.

Das kannst du selbst tun: Hinsehen statt wegschauen

Tierhorter leben meist isoliert von anderen und vermeiden jede Art von Sozialkontakt, wobei sie dennoch oftmals ihren normalen Berufen nachgehen. Gerade in einer Nachbarschaft, wo viele Menschen auf engem Raum leben, solltest du mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Denn meist fällt den direkten Nachbarn zuerst auf, wenn nebenan etwas nicht in Ordnung ist. Falls du dich scheust, deinen Nachbarn direkt anzusprechen, was durchaus verständlich ist, setze dich mit dem örtlichen Veterinäramt oder dem Deutschen Tierschutzbund in Verbindung. Je früher Fälle von Animal Hoarding erkannt werden, desto größer ist die Chance, dass Schlimmeres verhindert wird und sich der Betroffene in psychologische Behandlung begibt. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz jedes einzelnen.

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