Der kleine Yorkshire Terrier wird nach wie vor unterschätzt. Er ist alles andere als ein anspruchsloses Schoßhündchen mit Schleife im Haar! Der Yorkshire Terrier ist ein quirliges und mutiges Kerlchen mit Hang zu Chefallüren. Daher gehört er in die Hände liebevoller, erfahrener und konsequenter Hundehalter.

Steckbrief

Ursprungsland: Großbritannien
Einordnung: kleine Hunderasse
Größe: 22 bis 24 Zentimeter
Gewicht: 2 bis 3 Kilogramm
Lebenserwartung: 12 bis 15 Jahre
Fell: mittel- bis langhaarig, seidig glänzend, fein, glatt – bläuliche Farbgebung, am Kopf und Brustbereich unterschiedlich Braun- bis Bronzefärbungen, keine Unterwolle
Charakter: wachsam, lebhaft, bewegungsfreudig gesellig, forsch, selbstbewusst, mitunter eigenwillig, kinderlieb, verspielt, intelligent, verschmust, fröhlich
Verwendung früher: Jagdhund, Wachhund, Ratten- und Mäusefänger
Verwendung heute: Familienhund und Begleithund
FCI-Standard: 86
FCI-Gruppe 3: Terrier
FCI-Sektion 4: Zwerg-Terrier (ohne Arbeitsprüfung)

Herkunft und Rassengeschichte

Mit Beginn der Industrialisierung Englands im 18. Jahrhundert kamen viele Arbeiter aus den verschiedensten Gebieten Englands und Schottlands in die Städte und vor allem in die Grafschaft Yorkshire. Diese gilt gleichzeitig auch als Namensgeber des Vierbeiners. Etliche Arbeiter brachten ihre eigenen Hunde mit. Es handelte sich dabei größtenteils um Terrierklassen wie Waterside, Clydesdale, Paisley Manchester und Sky Terrier. Die einfache Bevölkerung brauchte einen kleinen, kernigen Vierbeiner, der relativ anspruchslos und dennoch zur Jagd auf Mäuse, Ratten, Kaninchen oder andere Kleintiere einsetzbar war. Große Hunde kamen nicht infrage. Einerseits befürchtete man, dass Wilderer die Tiere abrichteten; andererseits hätten die ärmsten Schichten der Bewohner einen großen Hund kaum ernähren können, litten sie nicht selbst oftmals an Hunger.

Letztendlich brachten die Weber die Hunderasse des Yorkies hervor. Sie kreuzten den Skye Terrier, den Manchester Terrier und den Dandie Dinmont Terrier miteinander. Der Malteser kam ebenfalls zum Zuge. Dieser verlieh der Rasse die längere Fellvariante. Damals besaß der Yorkshire Terrier noch eine Größe von ungefähr 40 Zentimeter und brachte mit fast 6 Kilogramm das Doppelte des heutigen Gewichts auf die Waage.

Der sicherlich rassegeschichtlich wichtigste und berühmteste Vertreter dieser Hunderasse war Huddersfield Ben. Geboren wurde er 1865. Dieser Terrier galt als Stammvater und Idealtyp der Yorkies. Neben erfolgreicher Präsenz auf zahlreichen Ausstellungen hinterließ er auch eine enorme Anzahl gleichwertiger Nachkommen, die seine typische Erscheinung festigten. Bedauerlicherweise erlitt er durch einen Unfall lebensbedrohliche Verletzungen und verstarb bereits im Alter von sechs Jahren.

Überlieferungen zufolge diente das lange, glänzende Fell des Yorkshire Terriers den Webern zum Abwischen der öligen Hände. Vielleicht kam dies tatsächlich ab und zu vor, wenn das Tier zufällig in der Nähe stand und griffbereit war. Wer jedoch das temperamentvolle Wesen eines Terriers kennt, kann sich schwerlich vorstellen, dass der kleine Kerl stundenlang “abwischbereit” zu Seite stand.

Die offizielle Anerkennung fand die Hunderasse erst 1886 durch den Kennel Club und wurde einer der beliebtesten Vierbeiner der Briten. Mit Beginn der 1970er Jahre entwickelte sich auch außerhalb des Landes ein regelrechter Run auf die niedliche Zwerghunderasse.

Rassetypisches Erscheinungsbild und Charaktereigenschaften

Körperbau

Der vierbeinige, fast quadratisch “geformte” Wusel zählt mit einer Größe von 22 bis 24 Zentimeter zu den kleinsten Hunderassen weltweit. Das Gewicht tendiert zwischen zwei bis drei Kilogramm.

Er besitzt einen kompakten Körperbau mit aufrechter Haltung. Vorder- und Hinterläufe sind parallel gestellt, gerade und gut entwickelt. Sein Schädel ist nicht auffallend gerundet, wobei der Fang deutlich kürzer als die Schädellänge ist. Auf dem Kopf finden sich kleine, hoch angesetzte und nicht zu weit auseinander stehende Ohren. Die mittelgroßen dunklen Augen entfalten einen wachsamen und durchaus listigen Blick. Die Rückenlinie verläuft fast waagerecht. An dessen Ende trägt die Fellnase eine leicht behaarte Rute. Das in früheren Jahren weit verbreitete Kupieren der Rute ist in Deutschland mittlerweile verboten.

Wesen und Charaktereigenschaften

Trotz seiner geringen Größe zeigt der Yorkshire Terrier einen unerschrockenen Charakter. Das Tier wurde ursprünglich nicht wie andere Kleinhundrassen verwöhnt und als Schoßhund behandelt. Es musste meist selbst für Unterhalt sorgen und dabei schnell und wendig seine Beute aus dem Versteck locken. Ebenso brauchte er Mut, diese zu überwältigen, denn bereits Ratten sind sehr wehrhaft. Selbstverständlich bekommt der heutige Familienvierbeiner das Futter vom seinem Menschen. Trotzdem sind Jagdtrieb und die damit verbundenen Charaktereigenschaften fest in ihm verankert. Die Hunde haben sich bestenfalls den Umständen angepasst.

Der Yorkshire Terrier ist ein überaus wachsamer und aufgeweckter Hund, der seine Umgebung genau beobachtet und alles Neue gleichfalls laut kundtut. Ein Kläffer ist er aber keinesfalls. Bei Anwesenheit großer Hunde oder auch fremder Menschen verhält er sich zudem völlig angstfrei. Derartige Situationen bestätigen nach wie vor seine instinktive Neigung zur Selbstüberschätzung.

Fellnasen dieser Hunderasse sind sehr verspielt und gleichzeitig auch zu jeder Schandtat bereit. Logisch, dass sich an dieser Stelle besonders Kind und Yorkie hervorragend ergänzen.

Fellfarbe und Fellpflege

Der vierbeinige Action-Hund trägt ein mittel- bis langes und durchweg glattes Haarkleid. Es besitzt eine seidig glänzende Struktur mit stahlblauen Farbnuancen. Das Fell am Kopf und Brustbereich zeigt sich in gold- bis bronzenen Farbtönen.

Das seidige Fell braucht fachgerechte Pflege. Hierfür bedarf es ein regelmäßiges Bürsten und Kämmen. Ein Hundefriseur sorgt für den optimalen Grundschnitt. Durch sein überschäumendes Temperament und die Stöberlust mutiert der Racker mitunter zum “wildgewordenen Handfeger” inmitten von Blättern, Ästen und anderen Gehölzen. Die berühmte Schleife auf dem Kopf stammt übrigens noch aus früheren Zeiten: Sie diente dazu, dem Yorkshire Terrier während der Jagd einen freien Blick zu gewährleisten.

Optimale Haltungsbedingungen

Prinzipiell kann die Haltung des Yorkshire Terriers ebenso in einer kleinen Wohnung erfolgen. Damit er sich rundum wohlfühlt, braucht das Energiebündel ausreichend Auslauf, die seinem Jagdtrieb entgegenkommt. Tägliche Spaziergänge von mindestens einer Stunde sind ein Minimum. Bestenfalls hat er ausreichend Freiflächen in Form von Feld und Wiese zum Toben. Auch die Gesellschaft anderer Hunde ist für seine Teamfähigkeit wichtig. Mitunter dürfen die Gassirunden auch bescheiden und relativ kurz ausfallen, müssen dafür aber drei bis viermal täglich stattfinden. Viel Spaß findet der Yorkshire Terrier beispielsweise am Hundesport. Hierfür eigenen sich besonders das Clickertraining oder auch Dogdancing.

Ob Schnee, Regen oder Wind – der Wildfang liebt die Natur. An dieser Stelle braucht meist sein Hundebesitzer mehr Mut. Lediglich bei starker Hitze im Sommer schränkt der kleine Kerl freiwillig seine Bewegungen ein und braucht Ruhepausen im Schatten.

Vorsicht ist bei Familien mit Kleinkindern geboten. Aufgrund seiner teilweise rebellischen Art sollten die Kinder schon im schulfähigen Alter sein und ein gewisses Grundverständnis im Umgang mit Hunden besitzen. Ansonsten ist der kompakte Racker ein anpassungsfähiger und treuer Familienhund.

Erziehung

So klein das Bündel auch ist – der Yorkshire Terrier hat einen starken Willen und weiß genau, was er will. Erfahrene Halter sind demnach gefragt. Der Wuschelkopf braucht vom Welpenalter an eine konsequente Erziehung, Führung und vor allem feste Regeln mit klaren Grenzen.

Sein Selbstbewusstsein, der Beschützerinstinkt und ein Übermaß an Mut sorgen oftmals dafür, dass sich der Yorkshire Terrier als Boss aufspielt. Ignoriert man dieses Imponieren, verhält er sich auch anderen Hunden gegenüber provozierend und sorgt damit für permanenten Stress.

Derartige Situationen sind keine gute Voraussetzung für den gemütlichen Spaziergang. Ein erster Anfang bringen eindeutige Worte wie “Nein”, “Stopp”, “Platz” oder “Pfui”. Diese Befehle erzielen durchaus große Wirkung, müssen jedoch mit der nötigen Bestimmtheit folgen. Der Liebling muss begreifen, dass Herrchen den Ton angibt und immer der Chef ist.

Allerdings solltest du ihm ausreichend Zeit geben. Der kleine Kerl muss erst lernen, sich anderen Menschen und Tieren gegenüber respektvoll zu verhalten. Nach einer gewissen Zeit und unter ständiger Wiederholung der Befehle zahlt sich auch dein Durchhaltevermögen aus. Aus dem wilden Action-Hund entsteht ein gehorsamer Vierbeiner, der aber nach wie vor seine instinktiven Jagdtriebe ausleben muss und Bewegung braucht.

Ernährung

Vorsicht beim Futter! Der Yorkshire Terrier besitzt ein äußerst sensibles Verdauungssystem. Er reagiert nervös auf ihm unbekannte Lebensmittel. Ein Futterwechsel sollte nur unter ärztlicher Anleitung und über einen längeren Zeitraum erfolgen.

Egal ob Trocken- oder Nassfutter – alle wichtigen Nährstoffe sollten täglich verabreicht werden. Oftmals ist die Verträglichkeit bei getreidefreiem Futter deutlich höher. Alternativ kann auch gekochtes Fleisch im Angebot stehen. Zuckerhaltige Snacks oder Leckerlis greifen die empfindlichen Zähne an. Als Belohnung oder bei besonderen Anlässen gibt es hierbei keine Probleme. Diese Nahrungsmittel dürfen nur nicht als Hauptnahrung fungieren.

Weiterhin muss jedes Futter mengenmäßig den geringen Proportionen dieser Hunderasse entsprechen, wobei diese auch von Hund zu Hund abweichen können. Das hängt einerseits vom Energieverbrauch des jeweiligen Tieres und andererseits von der individuellen Verwertung des Futters ab. Auf jeden Fall sollte es sich um ein hochwertiges und zusätzlich leicht verdauliches Hundefutter handeln. Sorge dafür, dass stets ein Napf mit frischem Trinkwasser bereit steht.

Rassetypische Krankheiten und Vorbeugung

Leider gibt es noch immer Züchter, die aus Gründen der Niedlichkeit versuchen, die Größe des Hundes weiter nach unten zu drücken. Aber: Je kleiner ein Vierbeiner, desto größer ist die Anfälligkeit für Krankheiten. Diese Tatsache ist eigentlich allen Züchtern bekannt.

Der Yorkshire Terrier neigt zu Nierenerkrankungen, Wachstumsstörungen sowie Gelenkbeschwerden. Weiterhin kann es zu Atemproblemen infolge einer zu engen Luftröhre kommen. Erblich bedingt treten mitunter Augenerkrankungen (Grauer Star) oder eine Bronchitis auf.

Aber keine Angst: Es handelt sich hierbei nur um eine Aufzählung. Nicht jeder Yorkshire Terrier muss zwangsläufig derartige Erkrankungen erleiden. Im Zweifelsfalle konsultiere natürlich immer einen Tierarzt.

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